Wütende Gedichte

Wütende Gedichte — eine Sammlung der besten Werke auf Poemship.

WütendGeorg Heym

Der Gott der Stadt

Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit Die letzten Häuser in das Land verirrn. Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal, Die großen Städte knieen um ihn her. Der Kirchenglocken ungeheure Zahl Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer. Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik Der Millionen durch die Straßen laut. Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut. Das Wetter schwält in seinen Augenbrauen. Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt. Die Stürme flattern, die wie Geier schauen Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.
WütendAlfred Lichtenstein

Sommerfrische

Der Himmel ist wie eine blaue Qualle. Und rings sind Felder, grüne Wiesenhügel – Friedliche Welt, du große Mausefalle, entkäm ich endlich dir .. O hätt ich Flügel – Man würfelt. Säuft. Man schwatzt von Zukunftsstaaten. Ein jeder übt behaglich seine Schnauze. Die Erde ist ein fetter Sonntagsbraten, hübsch eingetunkt in süße Sonnensauce. Wär doch ein Wind .. zerriß mit Eisenklauen die sanfte Welt. Das würde mich ergötzen. Wär doch ein Sturm .. der müßt den schönen blauen ewigen Himmel tausendfach zerfetzen.