Inspirierte Gedichte

Inspirierte Gedichte — eine Sammlung der besten Werke auf Poemship.

InspiriertTheodor Fontane

Trost

Tröste dich, die Stunden eilen, Und was all’ Dich drücken mag, Auch das Schlimmste kann nicht weilen, Und es kommt ein andrer Tag. In dem ew’gen Kommen, Schwinden, Wie der Schmerz liegt auch das Glück, Und auch heitre Bilder finden Ihren Weg zu Dir zurück. Harre, hoffe. Nicht vergebens Zählest Du der Stunden Schlag, Wechsel ist das Loos des Lebens Und – es kommt ein andrer Tag.
InspiriertTheodor Fontane

Frühling

Nun ist er endlich kommen doch In grünem Knospenschuh; „Er kam, er kam ja immer noch“ Die Bäume nicken sich’s zu. Sie konnten ihn all erwarten kaum, Nun treiben sie Schuß auf Schuß; Im Garten der alte Apfelbaum Er sträubt sich, aber er muß. Wohl zögert auch das alte Herz Und athmet noch nicht frei, Es bangt und sorgt: „es ist erst März Und März ist noch nicht Mai.“ O schüttle ab den schweren Traum Und die lange Winterruh, Es wagt es der alte Apfelbaum, Herze, wag’s auch Du.
InspiriertRainer Maria Rilke

Spanische Tänzerin

Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß, eh es zur Flamme kommt, nach allen Seiten zuckende Zungen streckt —: beginnt im Kreis naher Beschauer hastig, hell und heiß ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten. Und plötzlich ist er Flamme ganz und gar. Mit ihrem Blick entzündet sie ihr Haar und dreht auf einmal mit gewagter Kunst ihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst, aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken, die nackten Arme wach und klappernd strecken. Und dann: als würde ihr das Feuer knapp nimmt sie es ganz zusamm und wirft es ab sehr herrisch, mit hochmütiger Gebärde und schaut: da liegt es rasend auf der Erde und flammt noch immer und ergibt sich nicht —.
InspiriertRainer Maria Rilke

Archaïscher Torso Apollos

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt, sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug. Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle; und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.
InspiriertLudwig Uhland

Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht, Sie säuseln und weben Tag und Nacht, Sie schaffen an allen Enden. O frischer Duft, o neuer Klang! Nun armes Herze, sey nicht bang! Nun muß sich Alles, Alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag, Man weiß nicht, was noch werden mag, Das Blühen will nicht enden. Es blüht das fernste, tiefste Thal. Nun armes Herz, vergiß der Quaal, Nun muß sich Alles, Alles wenden.
InspiriertFriedrich Nietzsche

Nach neuen Meeren

Dorthin – will ich; und ich traue Mir fortan und meinem Griff. Offen liegt das Meer, in’s Blaue Treibt mein Genueser Schiff. Alles glänzt mir neu und neuer, Mittag schläft auf Raum und Zeit –: Nur dein Auge – ungeheuer Blickt mich’s an, Unendlichkeit!
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