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Fröhlich, Theodor Storm, auf Deutsch Filter löschen

FröhlichTheodor Storm

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht; Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht. Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken Mich lieblich heimathlich verlocken In märchenstille Herrlichkeit. Ein frommer Zauber hält mich wieder, Anbetend, staunend muß ich stehn; Es sinkt auf meine Augenlider Ein goldner Kindertraum hernieder, Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.
FröhlichTheodor Storm

Von Katzen

Vergangenen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen! Die Köchin aber – Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche – Die wollte von den Sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte dies verruchte Weib. Ich half ihr heim! – der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen, Sie wuchsen auf und schritten binnen Kurzem Erhob’nen Schwanzes über Hof und Heerd; Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah, Sie wuchsen auf, und Nachts vor ihrem Fenster Probirten sie die allerliebsten Stimmchen.
FröhlichTheodor Storm

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk’ ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden! Und geht es draußen noch so toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt So gänzlich unverwüstlich! Und wimmert auch einmal das Herz, – Stoß’ an, und laß es klingen! Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen. Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk’ ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!
FröhlichTheodor Storm

Knecht Ruprecht

Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen Sah ich goldene Lichtlein sitzen; Und droben aus dem Himmelsthor Sah mit großen Augen das Christkind hervor, Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann, Da rief’s mich mit heller Stimme an: „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell, „Hebe die Beine und spute dich schnell! „Die Kerzen fangen zu brennen an, „Das Himmelsthor ist aufgethan, „Alt’ und Junge sollen nun „Von der Jagd des Lebens einmal ruhn; „Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden, „Denn es soll wieder Weihnachten werden!“