Georg Heym
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Die Stadt
Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein Zerreißet vor des Mondes Untergang. Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein.
Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, Unzählig Menschen schwemmen aus und ein. Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein Eintönig kommt heraus in Stille matt.
Gebären, Tod, gewirktes Einerlei, Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei, Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei.
Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand, Die drohn im Weiten mit gezückter Hand Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.
Biografia
Georg Heym wurde 1887 in Schlesien geboren und starb 1912 in Berlin. Er studierte Rechtswissenschaften, widmete sich jedoch früh der Dichtung und zählte zum Kreis des 'Neuen Clubs' in Berlin. Seine Gedichte, vor allem in den Bänden 'Der ewige Tag' und 'Umbra vitae', entwerfen eine Welt voller Untergangsstimmung, Tod und Gewalt. Häufig treten personifizierte Mächte wie der Krieg, die Stadt oder der Tod als bedrohliche Akteure auf. Seine Sprache ist bildgewaltig, oft hart und dynamisch, mit einer Neigung zum Grotesken und Visionären. Heym gilt als einer der bedeutendsten Vorläufer des literarischen Expressionismus. Sein früher Unfalltod beim Eislaufen im Wannsee verhinderte eine weitere Entwicklung, doch sein schmales Werk übte großen Einfluss auf nachfolgende Dichtergenerationen aus.
