Heinrich Heine

Heinrich Heine (1797–1856) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Seine Lyrik, vor allem das 'Buch der Lieder', prägte die deutsche Romantik und zeichnet sich durch Ironie und gesellschaftskritische Töne aus. Biographie ↓Plus ↓

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Der Tod, das ist die kühle Nacht

Der Tod das ist die kühle Nacht, Das Leben ist der schwüle Tag. Es dunkelt schon, mich schläfert, Der Tag hat mich müd’ gemacht.

Ueber mein Bett erhebt sich ein Baum, Drin singt die junge Nachtigall; Sie singt von lauter Liebe, Ich hör’ es sogar im Traum.

Die Loreley

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Mährchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar Ihr gold’nes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr gold’nes Haar.

Sie kämmt es mit gold’nem Kamme, Und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Er schaut nur hinauf in die Höh’.

Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen Die Lore-Ley gethan.

Die Lotosblume

Die Lotosblume ängstigt Sich vor der Sonne Pracht, Und mit gesenktem Haupte Erwartet sie träumend die Nacht.

Der Mond, der ist ihr Buhle. Er weckt sie mit seinem Licht’, Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht.

Sie blüht und glüht und leuchtet, Und starret stumm in die Höh’; Sie duftet und weinet und zittert Vor Liebe und Liebesweh’.

Du bist wie eine Blume

Du bist wie eine Blume, So hold und schön und rein; Ich schau’ dich an, und Wehmuth Schleicht mir in’s Herz hinein.

Mir ist, als ob ich die Hände Auf’s Haupt dir legen sollt’, Betend, daß Gott dich erhalte So rein und schön und hold.

Ein Fichtenbaum steht einsam

Ein Fichtenbaum steht einsam Im Norden auf kahler Höh’. Ihn schläfert; mit weißer Decke Umhüllen ihn Eis und Schnee.

Er träumt von einer Palme, Die, fern im Morgenland, Einsam und schweigend trauert Auf brennender Felsenwand.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen Andern erwählt; Der Andre liebt eine Andre, Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heurathet aus Aerger Den ersten besten Mann, Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passiret, Dem bricht das Herz entzwei.

Ich hab im Traum geweinet

Ich hab’ im Traum’ geweinet, Mir träumte du lägest im Grab’. Ich wachte auf und die Thräne Floß noch von der Wange herab.

Ich hab’ im Traum’ geweinet, Mir träumt’ du verließest mich. Ich wachte auf, und ich weinte Noch lange bitterlich.

Ich hab’ im Traum’ geweinet, Mir träumte du wärst mir noch gut. Ich wachte auf, und noch immer Strömt meine Thränenfluth.

Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da hab ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.

Biographie

Heinrich Heine wurde 1797 in Düsseldorf geboren und starb 1856 in Paris; er war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Journalist. Zu seinen bekanntesten Werken zählen das 'Buch der Lieder' (1827), die 'Reisebilder' und das Versepos 'Deutschland. Ein Wintermärchen'. Seine Gedichte behandeln häufig unglückliche Liebe, Naturmotive und die Spannung zwischen Traum und Wirklichkeit. Charakteristisch für Heines Lyrik ist die Verbindung von romantischer Bildsprache mit scharfer Ironie und politischer Satire. Aufgrund seiner kritischen Haltung gegenüber den politischen Verhältnissen in Deutschland lebte er ab 1831 im Pariser Exil. Viele seiner Gedichte wurden von Komponisten wie Franz Schubert und Robert Schumann vertont. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker und als Wegbereiter des modernen Feuilletons.

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