Theodor Storm

Theodor Storm war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker des 19. Jahrhunderts. Seine Gedichte sind geprägt von norddeutscher Landschaft, Melancholie und präziser Bildsprache und zählen zu den bedeutendsten Beispielen des poetischen Realismus. Biografia ↓Więcej ↓

Wiersze

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Juli

Klingt im Wind ein Wiegenlied, Sonne warm herniedersieht, Seine Aehren senkt das Korn, Rothe Beere schwillt am Dorn, Schwer von Segen ist die Flur – Junge Frau, was sinnst du nur?

Knecht Ruprecht

Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen Sah ich goldene Lichtlein sitzen; Und droben aus dem Himmelsthor Sah mit großen Augen das Christkind hervor, Und wie ich so strolcht’ durch den finstern Tann, Da rief’s mich mit heller Stimme an: „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell, „Hebe die Beine und spute dich schnell! „Die Kerzen fangen zu brennen an, „Das Himmelsthor ist aufgethan, „Alt’ und Junge sollen nun „Von der Jagd des Lebens einmal ruhn; „Und morgen flieg’ ich hinab zur Erden, „Denn es soll wieder Weihnachten werden!“ Ich sprach: „O lieber Herre Christ, „Meine Reise fast zu Ende ist; „Ich soll nur noch in diese Stadt, „Wo’s eitel gute Kinder hat.“ – „Hast denn das Säcklein auch bei dir?“ Ich sprach: „Das Säcklein das ist hier: „Denn Aepfel, Nuß und Mandelkern „Fressen fromme Kinder gern.“


„Hast denn die Ruthe auch bei dir?“ Ich sprach: „Die Ruthe, die ist hier: „Doch für die Kinder nur, die schlechten, „Die trifft sie auf den Theil den rechten.“ Christkindlein sprach: „So ist es recht; „So geh mit Gott, mein treuer Knecht!“

Von drauß’ vom Walde komm ich her; Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr! Nun sprecht, wie ich’s hierinnen find’! Sind’s gute Kind’, sind’s böse Kind’?

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk’ ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll, Unchristlich oder christlich, Ist doch die Welt, die schöne Welt So gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz, – Stoß’ an, und laß es klingen! Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz Ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub; Schenk’ ein den Wein, den holden! Wir wollen uns den grauen Tag Vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur, Doch warte nur ein Weilchen! Der Frühling kommt, der Himmel lacht, Es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an, Und ehe sie verfließen, Wir wollen sie, mein wackrer Freund, Genießen, ja genießen!

Schließe mir die Augen beide

Schließe mir die Augen beide Mit den lieben Händen zu! Geht doch Alles, was ich leide, Unter deiner Hand zur Ruh. Und wie leise sich der Schmerz Well’ um Welle schlafen leget, Wie der letzte Schlag sich reget, Füllest du mein ganzes Herz.

Von Katzen

Vergangenen Maitag brachte meine Katze Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen. Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen! Die Köchin aber – Köchinnen sind grausam, Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche – Die wollte von den Sechsen fünf ertränken, Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen Ermorden wollte dies verruchte Weib. Ich half ihr heim! – der Himmel segne Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen, Sie wuchsen auf und schritten binnen Kurzem Erhob’nen Schwanzes über Hof und Heerd; Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah, Sie wuchsen auf, und Nachts vor ihrem Fenster Probirten sie die allerliebsten Stimmchen. Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe, Ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. – Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen, Und Maitag ist’s! – Wie soll ich es beschreiben, Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet! Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel, Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen! Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen, Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich, Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette! Und jede, jede von den sieben Katzen Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen, Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen! Die Köchin ras’t, ich kann der blinden Wuth Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers; Ersäufen will sie alle neun und vierzig! Mir selber! ach, mir läuft der Kopf davon – O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren! Was fang’ ich an mit sechs und fünfzig Katzen! –

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte Ein milder Stern herniederlacht; Vom Tannenwalde steigen Düfte Und hauchen durch die Winterlüfte, Und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken, Das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken Mich lieblich heimathlich verlocken In märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder, Anbetend, staunend muß ich stehn; Es sinkt auf meine Augenlider Ein goldner Kindertraum hernieder, Ich fühl’s, ein Wunder ist geschehn.

Biografia

Theodor Storm wurde 1817 in Husum geboren und war als Jurist sowie als Schriftsteller tätig. Neben seinen bekanntesten Novellen wie Immensee und Der Schimmelreiter verfasste er ein umfangreiches lyrisches Werk. Seine Gedichte thematisieren häufig die norddeutsche Küstenlandschaft, Heimat und Vergänglichkeit. Stilistisch zeichnen sie sich durch eine klare, oft liedhafte Sprache und stimmungsvolle Naturbilder aus. Viele seiner Gedichte wie Die Stadt oder Oktoberlied sind fester Bestandteil der deutschen Literaturgeschichte. Storms Lyrik gilt als Höhepunkt des poetischen Realismus, der subjektives Empfinden mit genauer Beobachtung verbindet. Sein Werk beeinflusste nachfolgende Generationen deutscher Lyriker. Er starb 1888 in Hademarschen.

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