Wilhelm Busch
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Die Selbstkritik hat viel für sich
Die Selbstkritik hat viel für sich. Gesetzt den Fall, ich tadle mich: So hab ich erstens den Gewinn, Daß ich so hübsch bescheiden bin; Zum zweiten denken sich die Leut, Der Mann ist lauter Redlichkeit; Auch schnapp ich drittens diesen Bissen Vorweg den andern Kritiküssen; Und viertens hoff ich außerdem Auf Widerspruch, der mir genehm. So kommt es denn zuletzt heraus, Daß ich ein ganz famoses Haus.
Die Liebe war nicht geringe
Die Liebe war nicht geringe. Sie wurden ordentlich blaß; Sie sagten sich tausend Dinge Und wußten noch immer was.
Sie mußten sich lange quälen, Doch schließlich kam's dazu, Daß sie sich konnten vermählen. Jetzt haben die Seelen Ruh.
Bei eines Strumpfes Bereitung Sitzt sie im Morgenhabit; Er liest in der Kölnischen Zeitung Und teilt ihr das Nötige mit.
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim, Er flattert sehr und kann nicht heim. Ein schwarzer Kater schleicht herzu, Die Krallen scharf, die Augen gluh. Am Baum hinauf und immer höher Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist Und weil mich doch der Kater frißt, So will ich keine Zeit verlieren, Will noch ein wenig quinquilieren Und lustig pfeifen wie zuvor. Der Vogel, scheint mir, hat Humor.
Biografia
Wilhelm Busch war ein deutscher Dichter, Zeichner und Maler, geboren 1832 in Wiedensahl und gestorben 1908 in Mechtshausen. Er zählt zu den bedeutendsten Humoristen und Satirikern der deutschen Literatur und gilt als Wegbereiter des modernen Comics. Seine Werke verbinden knappe, pointierte Verse mit ausdrucksstarken Zeichnungen und behandeln oft die Boshaftigkeit, Dummheit und Heuchelei des Alltags. Besonders bekannt sind seine Bildergeschichten wie „Max und Moritz“, „Die fromme Helene“ und „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“. Busch zeichnet sich durch einen trockenen, hintergründigen Humor aus, der menschliche Schwächen und gesellschaftliche Normen bloßstellt. Seine Figuren scheitern häufig an ihrer eigenen Unvernunft oder werden Opfer grotesker Zufälle. Neben den Bildergeschichten verfasste er auch Gedichte und Prosa, die oft einen resignativ-pessimistischen Grundton aufweisen. Buschs Werk beeinflusste spätere Comiczeichner und Satiriker weltweit und ist bis heute im deutschsprachigen Raum populär.
