Fröhliche Gedichte

Fröhliche Gedichte — eine Sammlung der besten Werke auf Poemship.

FröhlichJoachim Ringelnatz

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen, Die wollten nach Australien reisen. Bei Altona auf der Chaussee Da taten ihnen die Beine weh, Und da verzichteten sie weise Dann auf den letzten Teil der Reise.
FröhlichErich Mühsam

Der Revoluzzer

War einmal ein Revoluzzer, Im Zivilstand Lampenputzer; Ging im Revoluzzerschritt Mit den Revoluzzern mit. Und er schrie: „Ich revolüzze!“ Und die Revoluzzermütze Schob er auf das linke Ohr, Kam sich höchst gefährlich vor. Doch die Revoluzzer schritten Mitten in der Straßen Mitten, Wo er sonsten unverdrutzt Alle Gaslaternen putzt. Sie vom Boden zu entfernen, rupfte man die Gaslaternen Aus dem Straßenpflaster aus, Zwecks des Barrikadenbaus.
FröhlichEmanuel Geibel

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus, da bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus! Wie die Wolken wandern am himmlischen Zelt, so steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt. Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch behüt! Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht; es giebt so manche Straße, da nimmer ich marschiert, es giebt so manchen Wein, den ich nimmer noch probiert.
FröhlichEduard Mörike

Er ist’s

Frühling läßt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte; Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land. Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen. – Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist’s! Dich hab’ ich vernommen!
FröhlichDetlev von Liliencron

April

Wie der Südwind pfeift, In den Dornbusch greift, Der vor unserm Fenster sprießt. Wie der Regen stürzt Und den Garten würzt Und den ersten Frühling gießt! Plötzlich säumt der Wind, Und der Regen rinnt Spärlich aus dem Wolkensieb. Und die Mühle dreht Langsam sich und steht, Die noch eben mächtig trieb. Schießt ein Sonnenblick Über Feld und Knick, Wie der Blitz vom Goldhelm huscht Und auf Baum und Gras
FröhlichChristian Morgenstern

Vice versa

Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese. Doch, im Besitze eines Zeißes, betrachtet voll gehaltnen Fleißes vom vis-à-vis gelegnen Berg ein Mensch den kleinen Löffelzwerg. Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.
FröhlichChristian Morgenstern

Palmström

Palmström steht an einem Teiche und entfaltet groß ein rotes Taschentuch: Auf dem Tuch ist eine Eiche dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch. Palmström wagt nicht, sich hineinzuschneuzen, - Er gehört zu jenen Käuzen, die oft unvermittelt-nackt Ehrfurcht vor dem Schönen packt. Zärtlich faltet er zusammen, was er eben erst entbreitet. Und kein Fühlender wird ihn verdammen, weil er ungeschneuzt entschreitet.
FröhlichChristian Morgenstern

Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen. Sie tragen einen weißen Flaus und sind mit Schrot zu schießen. Ich schieße keine Möwe tot, ich laß sie lieber leben – und füttre sie mit Roggenbrot und rötlichen Zibeben. O Mensch, du wirst nie nebenbei der Möwe Flug erreichen. Wofern du Emma heißest, sei zufrieden, ihr zu gleichen.
FröhlichChristian Morgenstern

Die unmögliche Tatsache

Palmström, etwas schon an Jahren, wird an einer Straßenbeuge und von einem Kraftfahrzeuge überfahren. ‚Wie war‘ (spricht er, sich erhebend und entschlossen weiterlebend) ‚möglich, wie dies Unglück, ja –: daß es überhaupt geschah? ‚Ist die Staatskunst anzuklagen in Bezug auf Kraftfahrwagen? Gab die Polizeivorschrift hier dem Fahrer freie Trift? ‚Oder war vielmehr verboten, hier Lebendige zu Toten umzuwandeln, – kurz und schlicht: Durfte hier der Kutscher nicht –?‘
FröhlichChristian Morgenstern

Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch. Der Erich rechts und links der Franz und mitten drin der freche Hans. Sie haben die Augen zu, ganz zu, und obendrüber da schneit es, hu! Sie rücken zusammen dicht an dicht. So warm wie der Hans hats niemand nicht. Sie hör’n alle drei ihrer Herzlein Gepoch. Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.
FröhlichChristian Morgenstern

Die beiden Esel

Ein finstrer Esel sprach einmal zu seinem ehlichen Gemahl: „Ich bin so dumm, du bist so dumm, wir wollen sterben gehen, kumm!“ Doch wie es kommt so öfter eben: Die beiden blieben fröhlich leben.
FröhlichChristian Morgenstern

Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun, mit Zwischenraum, hindurchzuschaun. Ein Architekt, der dieses sah, stand eines Abends plötzlich da — und nahm den Zwischenraum heraus und baute draus ein großes Haus. Der Zaun indessen stand ganz dumm, mit Latten ohne was herum. Ein Anblick gräßlich und gemein. Drum zog ihn der Senat auch ein. Der Architekt jedoch entfloh nach Afri — od — Ameriko.