Am Turme — Zusammenfassung

Ich steh’ auf hohem Balkone am Thurm, Umstrichen vom schreienden Staare. Und lass’ gleich einer Mänade den Sturm Mir wühlen im flatternden Haare; O wilder Geselle, o toller Fant, Ich möchte dich kräftig umschlingen Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand Auf Tod und Leben dann ringen!

Und drunten seh’ ich am Strand, so frisch Wie spielende Doggen, die Wellen Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch Und glänzende Flocken schnellen. O, springen möcht’ ich hinein alsbald, Recht in die tobende Meute, Und jagen durch den korallenen Wald Das Walroß, die lustige Beute!

Und drüben seh’ ich ein Wimpel wehn So keck wie eine Standarte, Seh’ auf und nieder den Kiel sich drehn Von meiner luftigen Warte; O, sitzen möcht’ ich im kämpfenden Schiff, Das Steuerruder ergreifen Und zischend über das brandende Riff Wie eine Seemöve streifen.

Wär’ ich ein Jäger auf freier Flur, Ein Stück nur von einem Soldaten, Wär’ ich ein Mann doch mindestens nur, So würde der Himmel mir rathen; Nun muß ich sitzen so fein und klar, Gleich einem artigen Kinde, Und darf nur heimlich lösen mein Haar, Und lassen es flattern im Winde!

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Vom Turm aus blickt die Sprecherin auf eine stürmische See und ein Schiff. Sie fühlt sich von Wind und Wellen wild angezogen: Am liebsten würde sie mit dem Sturm ringen, ins tobende Wasser springen oder das Steuer des kämpfenden Schiffes übernehmen. Die Bilder sind voller Bewegung, Kraft und Lust an Gefahr.

Der Schluss macht den Grund dieser Fantasien deutlich. Als Frau bleibt ihr nur, fein und klar dazusitzen wie ein artiges Kind. Die wilde Geste darf sie nur heimlich ausleben: Sie löst ihr Haar und lässt es flattern. So mischt sich in die Sehnsucht nach Freiheit eine leise Bitterkeit über die engen Rollen, die ihr Geschlecht ihr auferlegt. Das wirkt trotzig und voll unterdrückter Energie.

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