„Grodek“ spricht von einer Abendlandschaft, in der herbstliche Wälder, goldene Ebenen und blaue Seen zugleich schön und todgeweiht wirken: Von tödlichen Waffen tönt es, sterbende Krieger klagen, während die Nacht hereinbricht. Die Natur scheint das vergossene Blut aufzunehmen; ein zürnender Gott wohnt im roten Gewölk, und alle Straßen münden in schwarze Verwesung. In dieser düsteren, fast mythischen Stimmung erscheint der Schatten einer Schwester, um die Geister der Helden zu grüßen, und leise klingen die Herbstflöten im Rohr. Der Sprecher empfindet eine stolze, feierliche Trauer. Die Schlusszeile deutet an, dass mit den toten Kriegern auch künftige Generationen, die ungeborenen Enkel, ausgelöscht werden. So entsteht eine schwermütige Atmosphäre zwischen Abschied, Schuld und stiller Klage.
Grodek — Zusammenfassung
Am Abend tönen die herbstlichen Wälder Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen Und blauen Seen, darüber die Sonne Düster hinrollt; umfängt die Nacht Sterbende Krieger, die wilde Klage Ihrer zerbrochenen Münder. Doch stille sammelt im Weidengrund Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt, Das vergossne Blut sich, mondne Kühle; Alle Straßen münden in schwarze Verwesung. Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain, Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter; Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes. O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre, Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz, Die ungebornen Enkel.