Dikter om ämnet: alltag

Dikter om ämnet ”alltag” på Poets.by.

SorgsenKurt Tucholsky

Ideal und Wirklichkeit

In stiller Nacht und monogamen Betten denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt. Die Nerven knistern … Wenn wir das doch hätten, was uns, weil es nicht da ist, leise quält. Du präparierst dir im Gedankengange das, was du willst – und nachher kriegst dus nie … Man möchte immer eine große Lange, und dann bekommt man eine kleine Dicke – Ssälawih –! Sie muß sich wie in einem Kugellager in ihren Hüften biegen … groß und blond. Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager … wer je in diesen Haaren sich gesonnt … Nachher erliegst du dem verfluchten Hange, der Eile und der Phantasie … Man möchte immer eine große Lange,
EftertänksamTheodor Fontane

Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen? Heut’ früh, nach gut durchschlafener Nacht, Bin ich wieder aufgewacht. Ich setzte mich an den Frühstückstisch, Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch, Ich habe die Morgenzeitung gelesen (Es sind wieder Avancements gewesen). Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter, Es trabte wieder, es klingelte munter, Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle, Kleine Mädchen gingen nach der Schule — Alles war freundlich, alles war nett, Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’ Und tät’ von alledem nichts wissen, Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?
GladJoachim Ringelnatz

Überall

Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband Wie irgendwo daneben. Überall ist Dunkelheit. Kinder werden Väter. Fünf Minuten später Stirbt sich was für einige Zeit. Überall ist Ewigkeit. Wenn Du einen Schneck behauchst, Schrumpft er ins Gehäuse, Wenn Du ihn in Kognak tauchst, Sieht er weiße Mäuse.