Friedrich Hölderlin
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Poems
An die Parzen
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Die Heimat
Froh kehrt der Schiffer heim an den stillen Strohm Von fernen Inseln, wo er geerndtet hat. Wohl möcht' auch ich zur Heimath wieder; Aber was hab' ich, wie Leid, geerndtet?
Ihr holden Ufer, die ihr mich auferzogt, Stillt ihr der Liebe Leiden? ach, gebt ihr mir, Ihr Wälder meiner Kindheit! wann ich Komme, die Ruhe noch Einmal wieder?
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget Und voll mit wilden Rosen Das Land in den See, Ihr holden Schwäne, Und trunken von Küssen Tunkt ihr das Haupt Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm ich, wenn Es Winter ist, die Blumen, und wo Den Sonnenschein, Und Schatten der Erde? Die Mauern stehn Sprachlos und kalt, im Winde Klirren die Fahnen.
Lebenslauf
Hochauf strebte mein Geist, aber die Liebe zog Bald ihn nieder; Das Leid beugt ihn gewaltiger; So durchlauf’ ich des Lebens Bogen und kehre, woher ich kam.
Die Kürze
„Warum bist du so kurz? liebst du, wie vormals, denn Nun nicht mehr den Gesang? fandst du, als Jüngling, doch In den Tagen der Hoffnung, Wenn du sangest, das Ende nie?“
Wie mein Glück, ist mein Lied. – Willst du im Abendroth Froh dich baden? Hinweg ist’s, und die Erd’ ist kalt, Und der Vogel der Nacht schwirrt Unbequem vor das Auge dir.
Biography
Friedrich Hölderlin (1770–1843) war ein deutscher Lyriker, Romanautor und Dramatiker, der der Epoche der Romantik und des Deutschen Idealismus zugeordnet wird. Nach einem Studium der Theologie und Philosophie in Tübingen arbeitete er zeitweise als Hauslehrer, konnte jedoch keine dauerhafte bürgerliche Existenz aufbauen. Seine Gedichte wie „Brot und Wein“, „Patmos“ oder „Hälfte des Lebens“ verbinden die griechische Antike mit einer christlich geprägten Geschichtsdeutung. Typisch sind feierliche Hymnen in freien Rhythmen sowie Naturbilder, die eine verlorene Einheit von Mensch, Gott und Kosmos beschwören. Die späten, nach 1800 entstandenen Gedichte gelten als besonders radikal in Sprache und Bildlichkeit. Neben der Lyrik verfasste er den Briefroman „Hyperion oder der Eremit in Griechenland“ und das unvollendete Trauerspiel „Der Tod des Empedokles“. Nach 1806 lebte er infolge einer psychischen Erkrankung zurückgezogen in einem Turm in Tübingen. Seine Dichtung wurde erst im 20. Jahrhundert breit rezipiert und beeinflusste zahlreiche moderne Autoren. In der deutschen Literaturgeschichte wird er zu den bedeutendsten Lyrikern gezählt.
