Theodor Fontane

Theodor Fontane war ein deutscher Schriftsteller und Dichter des 19. Jahrhunderts. Seine Lyrik, insbesondere Balladen, zeichnet sich durch klare Sprache und realistische Darstellung aus. Biography ↓More ↓

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Mittag

Am Waldessaume träumt die Föhre, Am Himmel weiße Wölkchen nur; Es ist so still, daß ich sie höre Die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies’ und Wegen, Die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach, Und doch, es klingt, als ström’ ein Regen Leis tönend auf das Blätterdach.

Summa Summarum

Eine kleine Stellung, ein kleiner Orden (Fast wär’ ich auch mal Hofrat geworden), Ein bißchen Namen, ein bißchen Ehre, Eine Tochter „geprüft“, ein Sohn im Heere, Mit siebzig ’ne Jubiläumsfeier, Artikel im Brockhaus und im Meyer ... Altpreußischer Durchschnitt. Summa Summarum, Es drehte sich immer um Lirum Larum, Um Lirum Larum Löffelstiel. Alles in allem – es war nicht viel.

Trost

Tröste dich, die Stunden eilen, Und was all’ Dich drücken mag, Auch das Schlimmste kann nicht weilen, Und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew’gen Kommen, Schwinden, Wie der Schmerz liegt auch das Glück, Und auch heitre Bilder finden Ihren Weg zu Dir zurück.

Harre, hoffe. Nicht vergebens Zählest Du der Stunden Schlag, Wechsel ist das Loos des Lebens Und – es kommt ein andrer Tag.

Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

Heut’ früh, nach gut durchschlafener Nacht, Bin ich wieder aufgewacht. Ich setzte mich an den Frühstückstisch, Der Kaffee war warm, die Semmel war frisch, Ich habe die Morgenzeitung gelesen (Es sind wieder Avancements gewesen). Ich trat ans Fenster, ich sah hinunter, Es trabte wieder, es klingelte munter, Eine Schürze (beim Schlächter) hing über dem Stuhle, Kleine Mädchen gingen nach der Schule — Alles war freundlich, alles war nett, Aber wenn ich weiter geschlafen hätt’ Und tät’ von alledem nichts wissen, Würd’ es mir fehlen, würd’ ich’s vermissen?

* * *

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ein Birnbaum in seinem Garten stand, Und kam die goldene Herbsteszeit, Und die Birnen leuchteten weit und breit, Da stopfte, wenn’s Mittag vom Thurme scholl, Der von Ribbeck sich beide Taschen voll, Und kam in Pantinen ein Junge daher, So rief er: „Junge, wist’ ne Beer?“ Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick hebb’ ne Birn.“

So ging es viel Jahre, bis lobesam Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam. Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit, Wieder lachten die Birnen weit und breit, Da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab. Legt mir eine Birne mit in’s Grab.“ Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus, Trugen von Ribbeck sie hinaus, Alle Bauern und Büdner, mit Feiergesicht Sangen „Jesus meine Zuversicht“ Und die Kinder klagten, das Herze schwer, „He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?“

So klagten die Kinder. Das war nicht recht, Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht, Der neue freilich, der knausert und spart, Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt,

Aber der alte, vorahnend schon Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn, Der wußte genau, was damals er that, Als um eine Birn’ in’s Grab er bat, Und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab, Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab, Und in der goldenen Herbsteszeit Leuchtet’s wieder weit und breit. Und kommt ein Jung’ über’n Kirchhof her, So flüstert’s im Baume: „wiste ne Beer?“ Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew’ Di ’ne Birn.“

So spendet Segen noch immer die Hand Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Biography

Theodor Fontane wurde 1819 in Neuruppin geboren und starb 1898 in Berlin. Er arbeitete zunächst als Apotheker, später als Journalist und Theaterkritiker, bevor er sich der Literatur zuwandte. Seine Gedichte sind vor allem Balladen, die häufig historische oder soziale Stoffe aufgreifen. Typisch für seine Lyrik sind eine nüchterne, anschauliche Sprache und eine genaue Beobachtung des Alltags. Fontane gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des poetischen Realismus in Deutschland. Zu seinen bekanntesten Gedichten zählen „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, „John Maynard“ und „Archibald Douglas“. Neben der Lyrik schrieb er auch Romane, die seinen literarischen Ruf festigten.

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