Georg Trakl entwirft ein Stadtbild, das zugleich still und unheimlich wirkt. Alte Plätze liegen sonnig da, Nonnen huschen traumhaft dahin, Kirchen zeigen Todesbilder und glänzende Kronen. Aus Brunnen tauchen Pferde auf, Kinder spielen verloren in ihren Träumen, Mädchen warten scheu an Toren. Viele Bilder verbinden Schönheit mit Erstarrung und leiser Bedrohung: Blütenkrallen drohen, feuchte Lippen beben, müde Lider flimmern silbern.
Das lyrische Ich nimmt diese Atmosphäre mit einer Mischung aus Faszination und Beklommenheit wahr. Die Stimmung ist traumartig und melancholisch. Glocken, Marschtakte, Orgelklänge und singende Instrumente vermischen sich mit fernem Lachen und mütterlichem Gesang. Düfte von Weihrauch, Teer und Flieder liegen in der Luft. Die Stadt erscheint wie eine schöne, aber brüchige Kulisse, in der das Leben gedämpft abläuft und hinter dem Zauber immer auch Vergänglichkeit und Tod spürbar sind.