In Georg Trakls «Musik im Mirabell» entfaltet sich ein Abendbild voller Herbst und Verfall. Ein singender Brunnen, weiße Wolken im klaren Blau und stille Menschen wirken zunächst friedlich, doch bald kippt die Stimmung: Das Marmor der Ahnen ist grau geworden, ein Faun blickt mit toten Augen, Schatten gleiten ins Dunkel. Rote Blätter fallen durch ein offenes Fenster, Feuerschein malt Angstgespenster an die Wand. Die Atmosphäre ist melancholisch, fast gespenstisch – als wäre der Garten ein Ort der Erinnerung, den das Leben verlassen hat.
Gegen Ende tritt ein weißer Fremdling ins Haus, ein Hund stürzt durch verfallene Gänge, die Magd löscht eine Lampe. Die Welt wird still und dunkel, nur in der Nacht hört das Ohr Sonatenklänge. Der Sprecher wirkt wie ein stiller Beobachter, der Verfall und Schönheit zugleich wahrnimmt. So entsteht eine träumerische, unheimliche Musik aus Bildern, die Trauer und Vergänglichkeit spürbar macht.