In Heines Versen fällt der Beginn der Liebe mit dem Mai zusammen. Zweimal beginnt eine Strophe mit dem wunderschönen Monat: erst springen die Knospen, dann singen die Vögel. In dieser doppelten Frühlingsbewegung öffnet sich auch das Innere des Sprechers. Die Liebe geht auf wie eine Knospe; sie ist kein bewusster Entschluss, sondern ein Geschehen, das ihn ergreift. Deshalb wirkt das Bild so unausweichlich und zugleich zart. Die zweite Strophe steigert das Geschehen: Aus stillem Empfinden wird ein Geständnis, aus Sehnen und Verlangen werden Worte an die Geliebte. Trotz der hellen, klaren Bilder bleibt ein leiser Ton von Unsicherheit spürbar. Das Gefühl ist so überwältigend, dass es sich nur im Gleichklang mit Knospen und Vogelsang aussprechen lässt. Dadurch wirkt die Stimmung nicht nur frühlingshaft leicht, sondern auch sehnsüchtig und ein wenig verletzlich. Gerade diese Mischung gibt den wenigen Zeilen ihren nachklingenden Reiz.
Im wunderschönen Monat Mai — Zusammenfassung
Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai, Als alle Vögel sangen, Da hab ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.