Eine Frau trägt einen Becher so ruhig, dass kein Tropfen überschwappt; ihr Kinn und Mund ähneln dem Rand des Gefäßes. Ein Mann beherrscht ein junges Pferd mit lässiger Sicherheit und bringt es mühelos zum Stehen. Für sich genommen wirken beide vollkommen beherrscht, fast grazil. Sobald er jedoch den Becher aus ihrer Hand nehmen soll, bricht diese Sicherheit ein: Beide zittern so heftig, dass ihre Hände einander nicht finden und der dunkle Wein auf den Boden rollt. Die äußere Ruhe schlägt in eine innere Erschütterung um, die gerade durch die Nähe ausgelöst wird. Die Stimmung ist zunächst klar und still, dann plötzlich angespannt und schwer. Zurück bleibt das Bild einer Begegnung, in der die Gefühle stärker sind als die geübte Haltung.
Die Beiden — Zusammenfassung
Sie trug den Becher in der Hand – Ihr Kinn und Mund glich seinem Rand –, So leicht und sicher war ihr Gang, Kein Tropfen aus dem Becher sprang.
So leicht und fest war seine Hand: Er ritt auf einem jungen Pferde, Und mit nachlässiger Gebärde Erzwang er, daß es zitternd stand.
Jedoch, wenn er aus ihrer Hand Den leichten Becher nehmen sollte, So war es beiden allzu schwer: Denn beide bebten sie so sehr, Daß keine Hand die andre fand Und dunkler Wein am Boden rollte.