Eine männliche Briefmarke wird hier als fühlendes Wesen dargestellt. Bevor sie auf einen Brief geklebt wird, erlebt sie einen kurzen, glücklichen Moment: Eine Prinzessin leckt sie an, und sofort erwacht in ihr die Liebe. Sie möchte diesen Kuss erwidern, doch genau dann muss sie verreisen. Aus der winzigen Begebenheit macht Ringelnatz eine kleine Liebesgeschichte mit großem Seufzer: Die Zuneigung bleibt einseitig und unerfüllt, weil der Alltag dazwischenkommt. Der Ton ist bewusst kindlich-naiv, fast wie ein gereimter Witz, aber der letzte Satz kippt ins Leise und Wehmütige. Was komisch beginnt, endet mit einer allgemeinen Lebensklage: Manchmal kommt die Liebe zu spät oder findet keine Gelegenheit, erwidert zu werden. Die absurde Idee, eine Briefmarke lieben zu lassen, macht diese kleine Enttäuschung spürbar, ohne schwer zu werden.
Ein männlicher Briefmark erlebte — Zusammenfassung
Ein männlicher Briefmark erlebte Was Schönes, bevor er klebte. Er war von einer Prinzessin beleckt. Da war die Liebe in ihm erweckt. Er wollte sie wiederküssen, Da hat er verreisen müssen. So liebte er sie vergebens. Das ist die Tragik des Lebens …