An den Mond — Zusammenfassung

Füllest wieder Busch und Thal Still mit Nebelglanz, Lösest endlich auch einmal Meine Seele ganz;

Breitest über mein Gefild Lindernd deinen Blick, Wie des Freundes Auge mild Ueber mein Geschick.

Jeden Nachklang fühlt mein Herz Froh und trüber Zeit, Wandle zwischen Freud’ und Schmerz In der Einsamkeit.

Fließe, fließe, lieber Fluß! Nimmer werd’ ich froh; So verrauschte Scherz und Kuß Und die Treue so.

Ich besaß es doch einmal, Was so köstlich ist! Daß man doch zu seiner Qual Nimmer es vergißt!

Rausche, Fluß, das Tal entlang, Ohne Rast und Ruh, Rausche, flüstre meinem Sang Melodien zu!

Wenn du in der Winternacht Wüthend überschwillst Oder um die Frühlingspracht Junger Knospen quillst.

Selig, wer sich vor der Welt Ohne Haß verschließt, Einen Freund am Busen hält Und mit dem genießt,

Was, von Menschen nicht gewußt Oder nicht bedacht, Durch das Labyrinth der Brust Wandelt in der Nacht.

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In ruhigen, nachtblauen Bildern spricht Goethe den Mond als stillen Begleiter an. Der nächtliche Schein füllt Busch und Tal mit Nebelglanz und löst die Seele des Sprechers, mild wie der Blick eines Freundes. Doch die Stille führt nicht nur zum Frieden: In der Einsamkeit steigen Erinnerungen an vergangenes Glück auf – an Scherz, Küsse, Treue –, und mit ihnen der Schmerz, dass dieses Kostbare unwiederbringlich ist. Der Sprecher wendet sich dem Fluss zu; er soll rauschen und dem eigenen Gesang Melodien leihen. So wird die Natur zum Gegenüber, das den Schmerz aufnimmt, ohne ihn zu verdrängen. Der Sprecher bleibt allein, aber die Natur wird ihm zum vertrauten Du.

Die letzte Strophe preist ein stilles, weltabgewandtes Leben mit einem Freund, in dem gerade das Unausgesprochene, das durch das Labyrinth der Brust wandert, geteilt wird. Die Stimmung bleibt melancholisch, aber nicht hoffnungslos: eine nachtblaue, fließende Ruhe, in der Erinnerung, Verlust und Trost dicht beieinanderliegen.

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