In ruhigen, nachtblauen Bildern spricht Goethe den Mond als stillen Begleiter an. Der nächtliche Schein füllt Busch und Tal mit Nebelglanz und löst die Seele des Sprechers, mild wie der Blick eines Freundes. Doch die Stille führt nicht nur zum Frieden: In der Einsamkeit steigen Erinnerungen an vergangenes Glück auf – an Scherz, Küsse, Treue –, und mit ihnen der Schmerz, dass dieses Kostbare unwiederbringlich ist. Der Sprecher wendet sich dem Fluss zu; er soll rauschen und dem eigenen Gesang Melodien leihen. So wird die Natur zum Gegenüber, das den Schmerz aufnimmt, ohne ihn zu verdrängen. Der Sprecher bleibt allein, aber die Natur wird ihm zum vertrauten Du.
Die letzte Strophe preist ein stilles, weltabgewandtes Leben mit einem Freund, in dem gerade das Unausgesprochene, das durch das Labyrinth der Brust wandert, geteilt wird. Die Stimmung bleibt melancholisch, aber nicht hoffnungslos: eine nachtblaue, fließende Ruhe, in der Erinnerung, Verlust und Trost dicht beieinanderliegen.