Ein Sprecher erinnert sich an einen kühlen Talgrund, in dem ein Mühlenrad geht. Dort lebte einst seine Geliebte; nun ist sie verschwunden. Sie hatte ihm Treue versprochen und einen Ring geschenkt, brach jedoch ihr Versprechen, und der Ring sprang entzwei. Der zerbrochene Ring steht dabei für die zerbrochene Bindung. Aus diesem Schmerz heraus wünscht sich der Sprecher, als Spielmann in die Ferne zu ziehen und von Haus zu Haus zu singen oder als Reiter in die Schlacht zu fliegen und nachts allein am stillen Feuer zu liegen. Doch sobald er das Mühlenrad wieder hört, holt ihn die Erinnerung ein. Er weiß selbst nicht mehr, was er will, und sehnt sich am liebsten nach dem Tod, weil dann endlich Ruhe wäre. Das Gedicht wirkt volksliedhaft schlicht und melancholisch; das drehende Mühlenrad begleitet die kreisenden Gedanken und die unerlöste Sehnsucht des Sprechers.
Das zerbrochene Ringlein — Zusammenfassung
In einem kühlen Grunde, Da geht ein Mühlenrad, Meine Liebste ist verschwunden, Die dort gewohnet hat.
Sie hat mir Treu versprochen, Gab mir ein’n Ring dabei, Sie hat die Treu gebrochen, Mein Ringlein sprang entzwei.
Ich möcht’ als Spielmann reisen Weit in die Welt hinaus, Und singen meine Weisen, Und gehn von Haus zu Haus.
Ich möcht’ als Reiter fliegen Wohl in die blut’ge Schlacht, Um stille Feuer liegen Im Feld bei dunkler Nacht.
Hör’ ich das Mühlrad gehen, Ich weiß nicht, was ich will, Ich möcht’ am liebsten sterben, Da wär’s auf einmal still.