Ein Reiter begegnet spätabends im Wald einer wunderschönen, reich geschmückten Frau. Er hält sie für eine Braut und bietet ihr an, sie nach Hause zu führen. Doch sie warnt ihn: Männer seien voll Trug und List, ihr Herz sei vor Schmerz gebrochen, und er solle fliehen, weil er nicht wisse, wer sie ist. Der Reiter wirkt zunächst sorglos und werbend, bewundert Ross und Frau – dann erkennt er sie plötzlich mit Schrecken: Es ist die Hexe Lorelay. Sie bestätigt, dass von hohem Felsen ihr Schloss still in den Rhein blickt, und nimmt ihm jede Hoffnung: Aus diesem Wald werde er nicht mehr herauskommen. Die Stimmung ist kalt, unheimlich und ausweglos; die wiederkehrende Zeile „Es ist schon spät, es wird schon kalt“ und das verirrte Waldhorn verstärken das Gefühl, dass der Reiter einer tödlichen Verführung erliegt.
Waldgespräch — Zusammenfassung
Es ist schon spät, es wird schon kalt, Was reit’st Du einsam durch den Wald? Der Wald ist lang, Du bist allein, Du schöne Braut! ich führ’ Dich heim!
„Groß ist der Männer Trug und List, Vor Schmerz mein Herz gebrochen ist, Wohl irrt das Waldhorn her und hin, O flieh’! Du weißt nicht, wer ich bin.“
So reich geschmückt ist Roß und Weib, So wunderschön der junge Leib, Jetzt kenn’ ich Dich – Gott steh’ mir bey! Du bist die Hexe Lorelay.
„Du kennst mich wohl – von hohem Stein, Schaut still mein Schloß tief in den Rhein. Es ist schon spät, es wird schon kalt, Kommst nimmermehr aus diesem Wald!“