In Eichendorffs «Winternacht» blickt ein einsames lyrisches Ich auf eine verschneite, stille Welt. Es empfindet keine Freude; der kahle Baum im Feld steht verlassen da und hat längst sein Laub verstreut. Die Landschaft wirkt wie ein Spiegel der inneren Leere, alles scheint erstarrt.
Doch der Wind rüttelt in der stillen Nacht sacht am Wipfel und redet wie im Traum. Der Baum träumt von künftiger Frühlingszeit, von Grün, Quellenrauschen und einem neuen Blütenkleid, in dem er Gott loben wird. So wandelt sich die Stimmung: Aus winterlicher Melancholie wird eine zarte, fast tröstliche Ahnung. Die Natur erscheint nicht nur kalt, sondern wie ein träumendes Wesen, das unter der stillen Oberfläche neues Leben erwartet. Der Sprecher bleibt in seiner Freudlosigkeit zurück, aber der Traum des Baumes deutet an, dass der Winter nicht das letzte Wort behält.