Eine Stimme aus der Dämmerung heraus spricht hier mit wachsender Unruhe. Die Natur wirkt bedrohlich: Bäume regen sich schaurig, Wolken ziehen wie schwere Träume, und das Sprechen fragt, was dieses Grauen bedeuten soll. Daraus wird eine eindringliche Mahnung. Wer ein geliebtes Reh hat, soll es nicht allein grasen lassen; wer einen Freund hat, soll ihm in dieser Stunde nicht trauen. Jäger durchziehen den Wald, Stimmen wandern, und selbst ein freundliches Gesicht kann Krieg im tückischen Frieden planen. Das Zwielicht steht für Unsicherheit und Doppeldeutigkeit: Man kann nicht klar erkennen, was echt oder gefährlich ist. Nur der Wechsel von Tag und Nacht scheint sicher, und doch bleibt manches in der Nacht verloren. Deshalb endet die Warnung mit der Aufforderung, wach und munter zu bleiben. Die Verse erzeugen eine leise, aber beharrliche Unruhe.
Zwielicht — Zusammenfassung
Dämmrung will die Flügel spreiten, Schaurig rühren sich die Bäume, Wolken zieh’n wie schwere Träume – Was will dieses Grau’n bedeuten?
Hast ein Reh du, lieb vor andern, Laß es nicht alleine grasen, Jäger zieh’n im Wald’ und blasen, Stimmen hin und wieder wandern.
Hast du einen Freund hienieden, Trau ihm nicht zu dieser Stunde, Freundlich wohl mit Aug’ und Munde, Sinnt er Krieg im tück’schen Frieden.
Was heut müde gehet unter, Hebt sich morgen neugeboren, Manches bleibt in Nacht verloren – Hüte dich, bleib’ wach und munter!