Oben blickt die Kapelle still ins Tal, unten singt ein Hirtenknabe froh und hell. Die Szene wirkt zunächst friedlich, fast idyllisch. Dann aber dringen der Klang der Totenglocke und ein schauerlicher Leichenchor von oben herab. Das fröhliche Lied verstummt, der Knabe hält inne und lauscht nach oben. Die letzte Strophe macht deutlich, was der Sprecher dabei empfindet: eine leise, ernste Ahnung von Vergänglichkeit. Oben werden jene begraben, die sich unten im Tal gefreut haben. Mit der Anrede „Hirtenknabe! Hirtenknabe!“ wendet sich die Stimme direkt an den Jungen – und an alle, die lesen. Auch ihm wird man dort einmal das Totenlied singen. Diese Worte klingen nicht anklagend, sondern wie eine traurige Gewissheit. So bleibt die Stimmung ruhig, aber durchzogen von Trauer; das helle Tal und der dunkle Klang von oben verbinden sich zu einem stillen Nachdenken über den Tod.
Die Kapelle — Zusammenfassung
Droben stehet die Kapelle, Schauet still in’s Thal hinab, Drunten singt bei Wies’ und Quelle Froh und hell der Hirtenknab’.
Traurig tönt das Glöcklein nieder, Schauerlich der Leichenchor; Stille sind die frohen Lieder, Und der Knabe lauscht empor.
Droben bringt man sie zu Grabe, Die sich freuten in dem Thal; Hirtenknabe! Hirtenknabe! Dir auch singt man dort einmal.