Ein antiker Torso des Apoll wird betrachtet – Kopf und Augen fehlen, doch gerade dadurch wirkt die Figur lebendig. Der Sprecher beschreibt, wie der Stein noch glüht wie ein Kandelaber und sein Blick, obwohl zurückgeschraubt, in der ganzen Gestalt weiterleuchtet. Brust, Lenden und Schultern scheinen sich zu bewegen; der Torso flimmert wie ein Raubtierfell und strahlt wie ein Stern. Die Sprache steigert sich zu einer fast bedrängenden Präsenz: Der Stein sieht den Betrachter an, von jeder Stelle aus. Was als Beschreibung beginnt, mündet in die Forderung: „Du mußt dein Leben ändern.“ Die Stimmung ist feierlich, sinnlich und zugleich unheimlich: Aus einem beschädigten Kunstwerk geht eine Kraft hervor, die nicht nur bewundert, sondern existenziell trifft.
Archaïscher Torso Apollos — Zusammenfassung
Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt, darin die Augenäpfel reiften. Aber sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber, in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,
sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug der Brust dich blenden, und im leisen Drehen der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen zu jener Mitte, die die Zeugung trug.
Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz unter der Schultern durchsichtigem Sturz und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;
und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.