Eine blaue Hortensie wird in Rilkes Versen genau angeschaut. Ihre Blätter sind trocken, stumpf und rauh, und die Blütendolden tragen ihr Blau nicht selbst, sondern spiegeln es nur noch von fern – verweint und ungenau, als wollten sie es wieder verlieren. In den Dolden mischt sich Gelb mit Violett und Grau wie in alten blauen Briefpapieren; anderes wirkt verwaschen wie eine Kinderschürze, die niemand mehr trägt und der nichts mehr geschieht. In dieser stillen Betrachtung liegt Wehmut: Das Verblassen der Farbe wird zum Bild für Vergänglichkeit und für die Kürze eines kleinen Lebens. Die Stimmung ist leise, zärtlich und ein wenig traurig. Doch am Ende scheint das Blau sich an einer einzigen Dolde plötzlich zu erneuern, und man sieht ein rührendes Blau sich vor dem Grün freuen – ein kleiner, unerwarteter Moment von Frische und Lebensfreude.
Blaue Hortensie — Zusammenfassung
So wie das letzte Grün in Farbentiegeln sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh, hinter den Blütendolden, die ein Blau nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.
Sie spiegeln es verweint und ungenau als wollten sie es wiederum verlieren, und wie in alten blauen Briefpapieren ist gelb in ihnen violett und grau;
Verwaschnes wie an einer Kinderschürze, Nichtmehrgetragnes dem nichts mehr geschieht: wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.
Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen in einer von den Dolden, und man sieht ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.