Ein Ich stellt sich vor, wie irgendwo in der Welt jemand weint, lacht, geht oder stirbt – und bezieht all das auf sich. Das wiederholte „ohne Grund“ nimmt den Handlungen ihre sichtbare Ursache; umso stärker wirkt der Gedanke, dass sie trotzdem dem Sprecher gelten. Weinen wird zu einer Klage über ihn, Lachen zu Spott, Gehen zu einer Bewegung auf ihn zu, und der Sterbende blickt ihn zuletzt direkt an. Aus zufälligen, anonymen Szenen entsteht so eine dichte, fast unheimliche Nähe.
Der Ton ist ruhig, aber schwer; die Wiederholungen erzeugen einen Sog. Der Titel „Ernste Stunde“ passt dazu: Das Ich erfährt die Welt nicht mehr als gleichgültig, sondern als geheimnisvolle Anrede. Man spürt darin eine feierliche Einsamkeit und zugleich die beunruhigende Ahnung, dass das eigene Leben mit allem fremden Geschehen verknüpft sein könnte.