Kindheit — Zusammenfassung

Da rinnt der Schule lange Angst und Zeit mit Warten hin, mit lauter dumpfen Dingen. O Einsamkeit, o schweres Zeitverbringen … Und dann hinaus: die Straßen sprühn und klingen und auf den Plätzen die Fontänen springen und in den Gärten wird die Welt so weit. – Und durch das alles gehn im kleinen Kleid ganz anders als die andern gehn und gingen –: O wunderliche Zeit, o Zeitverbringen, o Einsamkeit.

Und in das alles fern hinauszuschauen: Männer und Frauen; Männer, Männer, Frauen und Kinder, welche anders sind und bunt; und da ein Haus und dann und wann ein Hund und Schrecken lautlos wechselnd mit Vertrauen –: O Trauer ohne Sinn, o Traum, o Grauen, o Tiefe ohne Grund.

Und so zu spielen: Ball und Ring und Reifen in einem Garten, welcher sanft verblaßt, und manchmal die Erwachsenen zu streifen blind und verwildert in des Haschens Hast, aber am Abend still, mit kleinen steifen Schritten nach Haus zu gehn, fest angefaßt –: O immer mehr entweichendes Begreifen, o Angst, o Last.

Und stundenlang am großen grauen Teiche mit einem kleinen Segelschiff zu knien; es zu vergessen, weil noch andre gleiche und schönere Segel durch die Ringe ziehn, und denken müssen an das kleine bleiche Gesicht, das sinkend aus dem Teiche schien – O Kindheit, o entgleitende Vergleiche. Wohin? Wohin?

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Rilkes «Kindheit» folgt einem Kind durch Szenen, die eng beieinanderliegen: drückende Schullangeweile, dann das befreite Draußen mit sprühenden Straßen, Fontänen und weiten Gärten. Doch auch hier bleibt das Kind in seinem kleinen Kleid anders als die anderen, beobachtet Männer, Frauen, fremde Kinder, Häuser und Hunde; Schrecken und Vertrauen wechseln lautlos. Die Sprache macht diese Gefühle schwer und zugleich durchlässig: Trauer ohne Sinn, Traum, Grauen, Tiefe ohne Grund. Beim Spiel mit Ball, Ring und Reifen verblasst der Garten, abends führt der Heimweg steif und fest an der Hand zurück.

Am Teich mit dem kleinen Segelschiff kippt die Erinnerung ins Rätselhafte: Andere, schönere Segel ziehen vorbei, und ein bleiches Gesicht scheint aus dem Wasser zu sinken. Die Kindheit wird damit zu einer Zeit, in der Begreifen und Vergleichen immer wieder entgleiten. Die Schlussfragen «Wohin? Wohin?» lassen offen, wohin diese Welt verschwindet – und erzeugen eine wehmütige, beklemmende Stimmung zwischen Weite, Einsamkeit und Verlust.

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