Rilke beschreibt eine spanische Tänzerin, deren Auftritt mit einem Streichholz verglichen wird: Erst zucken weiße Funken, dann bricht der Tanz ringsum hastig und heiß hervor. Plötzlich ist alles Flamme. Ihr Blick scheint das Haar zu entzünden, das Kleid wird zur Feuersbrunst, und die nackten Arme schießen wie erschrockene Schlangen daraus hervor. Man spürt die Hitze und die Gefahr, aber auch die völlige Beherrschung der Szene. Als das Feuer knapp zu werden droht, rafft sie es zusammen, wirft es herrisch zu Boden und sieht zu, wie es weiterflammt und sich nicht ergibt. Dann tritt sie es mit kleinen, festen Füßen aus – sieghaft, sicher, mit einem süßen, grüßenden Lächeln. Es entsteht eine Mischung aus wilder Leidenschaft und kühler Kontrolle; die Tänzerin beherrscht das Element, das sie selbst entfacht hat.
Spanische Tänzerin — Zusammenfassung
Wie in der Hand ein Schwefelzündholz, weiß, eh es zur Flamme kommt, nach allen Seiten zuckende Zungen streckt —: beginnt im Kreis naher Beschauer hastig, hell und heiß ihr runder Tanz sich zuckend auszubreiten.
Und plötzlich ist er Flamme ganz und gar.
Mit ihrem Blick entzündet sie ihr Haar und dreht auf einmal mit gewagter Kunst ihr ganzes Kleid in diese Feuersbrunst, aus welcher sich, wie Schlangen die erschrecken, die nackten Arme wach und klappernd strecken.
Und dann: als würde ihr das Feuer knapp nimmt sie es ganz zusamm und wirft es ab sehr herrisch, mit hochmütiger Gebärde und schaut: da liegt es rasend auf der Erde und flammt noch immer und ergibt sich nicht —. Doch sieghaft, sicher und mit einem süßen grüßenden Lächeln hebt sie ihr Gesicht und stampft es aus mit kleinen festen Füßen.