Verklärte Nacht — Zusammenfassung

Zwei Menschen gehn durch kahlen, kalten Hain; der Mond läuft mit, sie schaun hinein. Der Mond läuft über hohe Eichen, kein Wölkchen trübt das Himmelslicht, in das die schwarzen Zacken reichen. Die Stimme eines Weibes spricht:

Ich trag ein Kind, und nit von dir, ich geh in Sünde neben dir. Ich hab mich schwer an mir vergangen; ich glaubte nicht mehr an ein Glück und hatte doch ein schwer Verlangen nach Lebensfrucht, nach Mutterglück und Pflicht – da hab ich mich erfrecht, da ließ ich schaudernd mein Geschlecht von einem fremden Mann umfangen und hab mich noch dafür gesegnet. Nun hat das Leben sich gerächt, nun bin ich dir, o dir begegnet.

Sie geht mit ungelenkem Schritt, sie schaut empor, der Mond läuft mit; ihr dunkler Blick ertrinkt in Licht. Die Stimme eines Mannes spricht:

Das Kind, das du empfangen hast, sei deiner Seele keine Last, o sieh, wie klar das Weltall schimmert! Es ist ein Glanz um Alles her, du treibst mit mir auf kaltem Meer, doch eine eigne Wärme flimmert von dir in mich, von mir in dich; die wird das fremde Kind verklären, du wirst es mir, von mir gebären, du hast den Glanz in mich gebracht, du hast mich selbst zum Kind gemacht.

Er faßt sie um die starken Hüften, ihr Atem mischt sich in den Lüften, zwei Menschen gehn durch hohe, helle Nacht.

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Zwei Menschen gehen nachts durch einen kahlen, kalten Hain; der Mond begleitet sie. Die Frau gesteht dem Mann, dass sie ein Kind von einem fremden Mann erwartet. Sie spricht von Sünde, Scham und tiefem Unglück, aber auch von ihrem starken Wunsch nach Leben und Mutterglück. Der Mann antwortet nicht mit Vorwurf. Er nimmt das Kind an, spricht von einem Glanz, der alles umgibt, und davon, dass ihre gemeinsame Wärme das fremde Kind verwandeln wird. Aus der kalten, starren Nacht wird am Ende eine hohe, helle Nacht. Die Stimmung kippt von Schuld und Einsamkeit in ruhige Versöhnung und Nähe. Die Naturbilder spiegeln diese Wandlung: erst kahle Zweige, schwarze Zacken, kaltes Meer – dann klares Licht und gemeinsames Gehen.

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