Jakob van Hoddis’ «Weltende» reiht Bilder einer Apokalypse aneinander: Einem Bürger fliegt der Hut vom spitzen Kopf, Dachdecker stürzen ab und zerbrechen, das Meer steigt und drückt gegen die Dämme, am Ende fallen Eisenbahnen von Brücken. Der Sprecher beschreibt das alles nicht feierlich oder klagend, sondern auffällig kühl und beiläufig, wie jemand, der einzelne Meldungen notiert. Die Flut an den Küsten wird mit einem beiläufigen „liest man“ erwähnt, als handle es sich um eine Nachricht aus der Ferne. Mitten in die Katastrophe setzt er einen fast komischen Alltagssatz: Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Dadurch kippt das Weltende ins Groteske. Die Bilder springen ohne Übergang, als wäre jede Ordnung schon zerfallen. Es entsteht eine beunruhigende Stimmung zwischen Panik und Gleichgültigkeit, ein Weltuntergang, der zugleich lächerlich und bedrohlich wirkt. Gerade diese Mischung macht den Text so irritierend.
Weltende — Zusammenfassung
Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut, In allen Lüften hallt es wie Geschrei. Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.
Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken. Die meisten Menschen haben einen Schnupfen. Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.