In Goethes «Heidenröslein» entdeckt ein Knabe auf der Heide ein junges, morgenschönes Röslein und läuft voller Freude hin, um es aus der Nähe zu betrachten. Doch dann will er es brechen. Das Röslein warnt ihn: Es werde ihn stechen, damit er ewig an es denkt, und es lasse sich das nicht gefallen. Der Knabe bricht die Blume trotzdem; das Röslein wehrt sich und sticht, doch sein Weh und Ach hilft nichts – es muss es erleiden. Die kurzen, volksliedhaften Strophen mit dem roten Refrain klingen zunächst heiter und fast kindlich, bekommen aber einen schmerzlichen Ton. Etwas Zartes und Schönes wird mutwillig zerstört. Viele verstehen das Röslein auch als Bild für ein Mädchen und das Brechen als Bild für Begehren oder verletzende Liebe. Die Stimmung bleibt deshalb zwiespältig: lieblich im Klang, traurig im Geschehen.
Heidenröslein — Zusammenfassung
Sah ein Knab’ ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden, War so jung und morgenschön, Lief er schnell es nah zu sehn, Sah’s mit vielen Freuden. Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Heiden.
Knabe sprach: ich breche dich, Röslein auf der Heiden! Röslein sprach: ich steche dich, Daß du ewig denkst an mich, Und ich will’s nicht leiden. Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Heiden.
Und der wilde Knabe brach ’s Röslein auf der Heiden; Röslein wehrte sich und stach, Half ihr doch kein Weh und Ach, Mußte es eben leiden. Röslein, Röslein, Röslein roth, Röslein auf der Heiden.