Ein Boot liegt still; die eingelegten Ruder tropfen, und die Tropfen fallen langsam in die Tiefe. Der Sprecher empfindet in dieser Reglosigkeit weder Ärger noch Freude: Das Heute rinnt schmerzlos und scheinbar ohne Gewicht dahin. Unter ihm, aus dem Licht verschwunden, liegen die schöneren vergangenen Stunden bereits wie in einem Traum. Aus der blauen Tiefe meldet sich das Gestern und fragt, ob noch einige seiner Schwestern – schöne, lichte Augenblicke – im Licht geblieben sind. So entsteht eine schwebende, nachdenkliche Stimmung zwischen stiller Ruhe und leiser Wehmut. Die Gegenwart fühlt sich friedlich, aber fast leer an; das eigentlich Schöne ist schon in die Erinnerung hinabgesunken. Zugleich machen die fallenden Tropfen die Zeit hörbar: Jeder Tropfen ist ein kleiner, stiller Schritt des Vergehens. Die blaue Tiefe wird zu einem Raum der Erinnerung, in dem das Vergangene weiterlebt und zurückfragt.
Eingelegte Ruder — Zusammenfassung
Meine eingelegten Ruder triefen, Tropfen fallen langsam in die Tiefen.
Nichts das mich verdroß! Nichts das mich freute! Niederrinnt ein schmerzloses Heute!
Unter mir – ach, aus dem Licht verschwunden – Träumen schon die schönern meiner Stunden.
Aus der blauen Tiefe ruft das Gestern: Sind im Licht noch manche meiner Schwestern?