Ein Fahrgast liegt im späten Boot auf einer Schiffsbank; die heiße Stirn wird endlich kühl, und Herz, Lust und Schmerz kommen zur Ruhe. Über ihm wiegt sich schwarzer Rauch im Wind. Das Boot hält an kleinen Anlegestellen, im schwachen Laternenlicht steigt ein Schatten aus, doch niemand steigt ein. Zurück bleiben nur der wache Steuermann und der Wind im Haar des Einschlafenden. Die Stimmung ist eine Mischung aus tiefer Erschöpfung, stiller Entrückung und sanfter Todesnähe. Das dunkle Boot trägt einen Schlummernden, als gleite es aus dem belebten Uferbereich in eine nächtliche, fast traumhafte Welt. Meyers Verse wirken weich und gleichmäßig, fast wie ein Wiegenlied; sie lassen das Geschehen ruhig und unaufhaltsam erscheinen.
Im Spätboot — Zusammenfassung
Aus der Schiffsbank mach’ ich meinen Pfühl, Endlich wird die heiße Stirne kühl! O wie süß erkaltet mir das Herz! O wie weich verstummen Lust und Schmerz! Ueber mir des Rohres schwarzer Rauch Wiegt und biegt sich in des Windes Hauch. Hüben hier und wieder drüben dort Hält das Boot an manchem kleinen Port: Bei der Schiffslaterne kargem Schein Steigt ein Schatten aus und niemand ein. Nur der Steurer noch, der wacht und steht! Nur der Wind, der mir im Haare weht! Schmerz und Lust erleiden sanften Tod Einen Schlumm’rer trägt das dunkle Boot.