Wenn die Sonne wandert und ein Dorf nach dem anderen aus dem Licht tritt, klagt jedes sein Dunkel den Nachbardörfern mit vertrauten Glockentönen. Die wenigen Schläge der Glocke im Dämmerlicht, so heißt es in der zweiten Strophe, stehen den vielen Schlägen des Herzens am Tag gegenüber: Das Läuten klingt wie ein gedämpfter Nachklang des Lebens, ruhiger und sparsamer, als neige sich die Zeit dem Ende zu. Zuletzt hat noch ein Glöcklein auf der Höhe geschwiegen. Nun beginnt es sich zu wiegen, und der Sprecher erkennt mit Bewegung, dass es sein eigenes Kilchberg ist, das da läutet. Diese persönliche Nennung macht aus dem abendlichen Geläut eine stille Ansprache an den Einzelnen. Das Gedicht verbreitet eine friedliche, wehmütige Stimmung: Das Licht geht, die Glocken klingen, und im vertrauten Ton des eigenen Dorfes verbindet sich Heimatgefühl mit dem Gedanken an Vergänglichkeit und Tod.
Requiem — Zusammenfassung
Bei der Abendsonne Wandern Wann ein Dorf den Strahl verlor, Klagt sein Dunkeln es den andern Mit vertrauten Tönen vor:
„Viele Schläge, viele Schläge Thut an einem Tag das Herz, Wenig Schläge, wenig Schläge Thut im Dämmerlicht das Erz!“
Noch ein Glöcklein hat geschwiegen Auf der Höhe bis zuletzt. Nun beginnt es sich zu wiegen, Horch, mein Kilchberg läutet jetzt!