In Meyers «Säerspruch» richtet sich eine Stimme an den Sämann: Er soll Schritt und Schwung sorgfältig bemessen, denn die Erde bleibt noch lange jung. Der eigentliche Blick liegt aber auf den Körnern. Eines fällt, stirbt und ruht – die Ruhe wird als süß bezeichnet, es hat es gut. Ein anderes bricht durch die Scholle und bekommt das Licht, auch ihm wird es gut. So entsteht eine ruhige, fast feierliche Stimmung: Kein Korn fällt aus der Welt, jedes fällt, wie Gott es will. Aus dem bäuerlichen Bild wird ein Trostgedanke. Leben und Sterben, Ruhen und Aufgehen sind nicht gegeneinander gesetzt, sondern beides gehört zu einer göttlichen Ordnung. Das Gedicht wirkt deshalb gelassen und zuversichtlich, wie ein kurzer Spruch zum Weitersäen – nicht trotz, sondern gerade wegen der Ungewissheit, was aus dem einzelnen Korn wird.
Säerspruch — Zusammenfassung
Bemeßt den Schritt! Bemeßt den Schwung! Die Erde bleibt noch lange jung! Dort fällt ein Korn das stirbt und ruht. Die Ruh ist süß. Es hat es gut. Hier eins das durch die Scholle bricht. Es hat es gut. Süß ist das Licht. Und keines fällt aus dieser Welt Und jedes fällt wie’s Gott gefällt.