Stapfen — Zusammenfassung

In jungen Jahren war’s. Ich brachte dich Zurück ins Nachbarhaus, wo du zu Gast, Durch das Gehölz. Der Nebel rieselte, Du zogst des Reisekleids Capuze vor Und blicktest traulich mit verhüllter Stirn. Naß ward der Pfad. Die Sohlen prägten sich Dem feuchten Waldesboden deutlich ein, Die wandernden. Du schrittest auf dem Bord, Von deiner Reise sprechend. Eine noch, Die läng’re, folge drauf, so sagtest du. Dann scherzten wir, der nahen Trennung klug Das Angesicht verhüllend, und du schiedst, Dort wo der First sich über Ulmen hebt. Ich ging denselben Pfad gemach zurück, Leis schwelgend noch in deiner Lieblichkeit, In deiner wilden Scheu, und wohlgemuth Vertrauend auf ein baldig Wiedersehn. Vergnüglich schlendernd, sah ich auf dem Rain Den Umriß deiner Sohlen deutlich noch Dem feuchten Waldesboden eingeprägt, Die kleinste Spur von dir, die flüchtigste, Und doch dein Wesen: wandernd, reisehaft, Schlank, rein, walddunkel, aber o wie süß! Die Stapfen schritten jetzt entgegen dem

Zurück dieselbe Strecke Wandernden: Aus deinen Stapfen hobst du dich empor Vor meinem innern Auge. Deinen Wuchs Erblickt’ ich mit des Busens zartem Bug. Vorüber gingst du, eine Traumgestalt. Die Stapfen wurden jetzt undeutlicher, Vom Regen halb gelöscht, der stärker fiel. Da überschlich mich eine Traurigkeit: Fast unter meinem Blick verwischten sich Die Spuren deines letzten Gangs mit mir.

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„In jungen Jahren war’s“ – so setzt die Erinnerung ein. Der Sprecher hat eine geliebte Frau nach einem gemeinsamen Weg durch feuchtes Gehölz zum Nachbarhaus gebracht; sie war dort zu Gast. Beim Abschied sprechen beide noch von Reisen und baldigem Wiedersehen, und der Ton ist vertraulich, fast heiter. Auf demselben Pfad geht er allein zurück. Dabei fallen ihm ihre Fußspuren im aufgeweichten Waldboden auf, die kleinsten, flüchtigsten Spuren von ihr. In ihnen scheint ihr ganzes Wesen gegenwärtig: schlank, scheu, reisehaft, „walddunkel, aber o wie süß“. Vor seinem inneren Auge ersteht sie aus den Stapfen und zieht wie eine Traumgestalt an ihm vorüber. Doch der stärker fallende Regen löscht die Abdrücke nach und nach aus, gerade während er hinsieht. Zurück bleibt eine leise Traurigkeit: Mit den Spuren verblasst auch die körperliche Nähe des letzten gemeinsamen Gangs. So entsteht eine wehmütig-zärtliche Stimmung, in der Liebesglück und Abschiedsschmerz eng beieinanderliegen.

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