Liliencrons «April» fängt die Launen des Frühlings ein: Erst peitscht der Südwind durch den Dornbusch, Regen stürzt herab und tränkt den Garten. Dann bricht kurz die Sonne durch, und die nassen Blätter und Gräser glitzern wie silberne Tupfen. Gleich darauf kehrt der wilde Wind zurück, der Regen rauscht, und der Garten duckt sich demütig. Mitten in diesem raschen Wechsel lehnt ein geliebtes Gesicht an der Schulter des Sprechers; gemeinsam blicken beide still ins Wetter. Die unberechenbare Natur wirkt hier nicht bedrohlich, sondern lebendig und vertraut. Die Schlusszeile nimmt ein altes Wort auf: Regen und Sonnenschein wechseln sich ab. So verbindet sich das äußere Wetter mit einer ruhigen Nähe zwischen zwei Menschen. Es entsteht eine Stimmung zwischen Frühlingsunruhe und Geborgenheit, zwischen Aufbruch und stillem Miteinander.
April — Zusammenfassung
Wie der Südwind pfeift, In den Dornbusch greift, Der vor unserm Fenster sprießt. Wie der Regen stürzt Und den Garten würzt Und den ersten Frühling gießt!
Plötzlich säumt der Wind, Und der Regen rinnt Spärlich aus dem Wolkensieb. Und die Mühle dreht Langsam sich und steht, Die noch eben mächtig trieb.
Schießt ein Sonnenblick Über Feld und Knick, Wie der Blitz vom Goldhelm huscht Und auf Baum und Gras Schnell im Tropfennaß Tausend Silbertüpfel tuscht.
Wieder dann der Süd, Immer noch nicht müd, Zornt die Welt gewaltig an. Und der Regen rauscht, Und der Garten lauscht Demütig dem wilden Mann.
Meiner Schulter dicht Lehnt dein hold Gesicht, Schaut ins Wetter still hinein. Kennst das alte Wort, Ewig währt es fort: Regen tauscht und Sonnenschein.