Erich Mühsams satirische Ballade erzählt von einem Mann, der im Zivilberuf Lampenputzer ist und sich gern als Revoluzzer inszeniert. Er marschiert im „Revoluzzerschritt“ mit, schiebt die „Revoluzzermütze“ aufs linke Ohr und kommt sich „höchst gefährlich vor“. Doch als die Revolution konkret wird und die Gaslaternen aus dem Straßenpflaster gerissen werden sollen, um Barrikaden zu bauen, bricht sein Protest los: Er sei der Lampenputzer „dieses guten Leuchtelichts“, man möge die Laternen verschonen, sonst spiele er nicht mehr mit. Die Laternen krachen trotzdem, der Mann schleicht weinend davon und schreibt zu Hause ein Buch darüber, wie man revoluzzt und dabei doch Lampen putzt. Die zentrale Idee ist eine Abrechnung mit dem halbherzigen Revolutionär, der den Aufruhr als Pose genießt, aber zurückschreckt, sobald seine eigene kleine Zuständigkeit und die gewohnte Ordnung angetastet werden.
Die Form unterstützt diese Wirkung. Das Gedicht besteht aus acht vierzeiligen Strophen mit Paarreim und einem liedhaften, oft holprigen Rhythmus. Der märchenhafte Einstieg „War einmal ein Revoluzzer“ klingt wie ein Kindervers und steht in komischem Kontrast zum revolutionären Pathos. Die erfundenen Wörter „Revoluzzer“, „revolüzze“, „Revoluzzerschritt“ und „Revoluzzermütze“ verstärken den Spott: Das zischende „z“ und die ungewohnte Endung machen aus dem Revolutionär eine Witzfigur. Auch die Reime sind einfach und grell, etwa „Revoluzzer/Lampenputzer“ oder „revolüzze/Revoluzzermütze“, sodass die Lächerlichkeit der Figur in jeder Strophe hörbar bleibt.
Im Zentrum steht das Bild der Gaslaterne. Sie ist mehr als ein Gegenstand; sie steht für die bürgerliche Ordnung, für Licht, Sauberkeit und Sicherheit. Der Lampenputzer spricht von „diesem guten Leuchtelicht“, als sei die Laterne ein schutzbedürftiges Lebewesen. Die Verniedlichung verrät, wie stark er an seiner alten Rolle hängt. Seine Sorge gilt nicht der Revolution, sondern dem Bürger, der im Dunkeln „nichts mehr sehen“ kann. In dem doppelten „Bitte, bitte, tut ihm nichts!“ und der Drohung „sonst spiel’ ich nicht mehr mit“ wird die Revolution zu einem Kinderspiel, aus dem man aussteigen kann, wenn einem etwas nicht passt. Sprachlich fällt die doppelte Verneinung „Kann kein Bürger nichts mehr sehen“ auf: Sie lässt den Sprecher ungebildet und kleinbürgerlich erscheinen, als verstehe er die politischen Folgen nicht.
Entscheidend ist die Formel „Im Zivilstand Lampenputzer“. Das Revolutionäre ist für den Mann nur eine Rolle neben dem bürgerlichen Beruf, kein Bruch mit der Existenz. Deshalb verteidigt er ausgerechnet die Laternen, die er sonst „unverdrutzt“ putzt; sie sind sein Bereich, sein kleines Stück Ordnung. Als die Revoluzzer lachen und die Laternen „krachen“, bricht für ihn eine Welt zusammen. Das Verb „schlich“ statt „ging“ zeigt, wie der großspurige Revoluzzergestus in sich zusammenfällt; das „bitterlich“-Weinen ist fast rührend, vor allem aber komisch, weil es aus verletzter Eitelkeit und verlorener Gemütlichkeit stammt.
Die letzte Strophe treibt die Satire auf die Spitze. Der gescheiterte Revoluzzer bleibt zuhaus und verfasst ein Buch: „Nämlich, wie man revoluzzt / Und dabei doch Lampen putzt.“ Aus der Niederlage wird ein theoretisches Programm, das Revolution und bürgerliche Tätigkeit scheinbar versöhnt – ein unmöglicher Kompromiss. Damit trifft das Gedicht einen wiederkehrenden Typus: Menschen, die radikal reden, aber nichts riskieren wollen; die Veränderung fordern, solange ihr eigener Platz unangetastet bleibt. Mühsams Text ist daher nicht nur ein komisches Porträt, sondern ein bleibendes Bild für jede halbherzige Empörung, die lieber ein Buch schreibt, als die Laternen loszulassen.