Die Teilung der Erde — Zusammenfassung

Friedrich SchillerContemplative

Nehmt hin die Welt! rief Zeus von seinen Höhen Den Menschen zu, nehmt, sie soll euer seyn. Euch schenk ich sie zum Erb’ und ew’gen Lehen, Doch theilt euch brüderlich darein.

Da eilt was Hände hat, sich einzurichten, Es regte sich geschäftig jung und alt. Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten, Der Junker birschte durch den Wald.

Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen, Der Abt wählt sich den edeln Firnewein, Der König sperrt die Brücken und die Straßen, Und sprach, der Zehente ist mein.

Ganz spät, nachdem die Theilung längst geschehen, Naht der Poet, er kam aus weiter Fern’. Ach! da war überall nichts mehr zu sehen, Und alles hatte seinen Herrn!

Weh mir! So soll denn ich allein von allen Vergessen seyn, ich, dein getreuster Sohn? So ließ er laut der Klage Ruf erschallen, Und warf sich hin vor Jovis Thron.

Wenn du im Land der Träume dich verweilet, Versetzt der Gott, so hadre nicht mit mir. Wo warst du denn, als man die Welt getheilet? Ich war, sprach der Poet, bey dir.

Mein Auge hieng an deinem Angesichte, An deines Himmels Harmonie mein Ohr, Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte Berauscht, das Irdische verlor!

Was thun? spricht Zeus, die Welt ist weggegeben, Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein. Willst du in meinem Himmel mit mir leben, So oft du kommst, er soll dir offen seyn.

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Zeus ruft den Menschen zu, die Welt zu nehmen und brüderlich zu teilen. Alle stürzen sich auf ihren Anteil: Bauer, Junker, Kaufmann, Abt und König sichern sich Feldfrucht, Jagd, Waren, edlen Wein und den Zehnten. Als der Dichter endlich eintrifft, ist nichts mehr übrig; er klagt, dass ausgerechnet er, Zeus’ treuester Sohn, leer ausgeht. Auf die Frage des Gottes, wo er während der Verteilung gewesen sei, antwortet er: bei dir. Sein Auge hing an Zeus’ Angesicht, sein Ohr an der himmlischen Harmonie; berauscht vom göttlichen Licht habe er das Irdische verpasst. Zeus kann ihm die Welt nicht zurückgeben, öffnet ihm aber den Himmel: Wann immer der Dichter komme, solle er dort bei ihm leben.

Die Szene wirkt heiter und zugleich tröstlich. Der Dichter erscheint weltfremd, fast komisch verspätet, doch gerade seine Versunkenheit ins Göttliche wird belohnt. Statt irdischen Besitzes erhält er dauerhaften Zugang zu einer höheren Sphäre. So entsteht eine leichte, ironische Stimmung mit ernstem Kern: Die Poesie steht außerhalb des Marktes, findet ihre Heimat aber im Ideellen.

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