Ein dämonischer Stadtgott thront breit auf einem Häuserblock. Um seine Stirn lagern Winde, sein Haar sträubt sich vor Zorn, und er blickt wütend auf die Ränder der Großstadt. Die Stadt huldigt ihm: Kirchenglocken steigen wie ein Meer aus schwarzen Türmen auf, der Rauch der Fabrikschlote zieht wie Weihrauch zu ihm, und die Musik der Millionen dröhnt wie ein wilder Korybanten-Tanz. Doch dieser Gott ist kein Beschützer. Am Abend glänzt sein roter Bauch wie bei einer heidnischen Gottheit, und am Ende streckt er seine „Fleischerfaust“ ins Dunkel. Ein Feuermeer jagt durch eine Straße und frisst sie auf. Die Großstadt erscheint hier nicht als Ort der Sicherheit, sondern als ein lebendiger, bedrohter Körper, der beherrscht und bestraft wird. Die Stimmung ist albtraumhaft und bedrohlich: eine apokalyptische Vision, in der Verehrung und Zerstörung eng beieinanderliegen. Ein lyrisches Ich tritt nicht hervor; die Verse wirken wie ein dumpfer, zorniger Traum.
Der Gott der Stadt — Zusammenfassung
Auf einem Häuserblocke sitzt er breit. Die Winde lagern schwarz um seine Stirn. Er schaut voll Wut, wo fern in Einsamkeit Die letzten Häuser in das Land verirrn.
Vom Abend glänzt der rote Bauch dem Baal, Die großen Städte knieen um ihn her. Der Kirchenglocken ungeheure Zahl Wogt auf zu ihm aus schwarzer Türme Meer.
Wie Korybanten-Tanz dröhnt die Musik Der Millionen durch die Straßen laut. Der Schlote Rauch, die Wolken der Fabrik Ziehn auf zu ihm, wie Duft von Weihrauch blaut.
Das Wetter schwält in seinen Augenbrauen. Der dunkle Abend wird in Nacht betäubt. Die Stürme flattern, die wie Geier schauen Von seinem Haupthaar, das im Zorne sträubt.
Er streckt ins Dunkel seine Fleischerfaust. Er schüttelt sie. Ein Meer von Feuer jagt Durch eine Straße. Und der Glutqualm braust Und frißt sie auf, bis spät der Morgen tagt.