Ein Abend im Herbst: Glocken läuten Frieden, und das Ich folgt den Vogelschwärmen, die wie fromme Pilgerzüge in klare Weiten entschwinden. Beim Gang durch den dämmervollen Garten träumt es sich in ihre hellere Ferne hinein; die Stunden scheinen kaum noch zu rücken. Es ist ein Schweben zwischen Abendfrieden und Sehnsucht, fast ein Vergessen der Zeit.
Dann genügt ein Hauch, und das Ich erzittert vor Verfall. Die Amsel klagt in entlaubten Zweigen, der rote Wein schwankt an rostigen Gittern, und blaue Astern neigen sich fröstelnd im Wind wie blasser Kinder Todesreigen um verwitternde Brunnenränder. Aus der stillen, fast frommen Abendstimmung wird jäh ein Bild von Vergänglichkeit und Todesnähe. Die Schönheit des Herbstes kippt in Melancholie; was eben noch Aufschwung war, zeigt plötzlich seine brüchige, sterbliche Seite. Der Sprecher erlebt den Herbst daher nicht nur als friedlich, sondern als Vorahnung des Sterbens.