In Heinrich Heines «Der Asra» wird eine fast märchenhafte Szene erzählt: Jeden Abend geht eine Sultanstochter an einem Springbrunnen auf und nieder, und jeden Abend steht dort ein junger Sklave. Er wird von Mal zu Mal bleicher. Als die Fürstin ihn schließlich nach Name, Herkunft und Familie fragt, antwortet er ruhig: Er heiße Mohamet, stamme aus Yemmen und gehöre zu den Asra, «welche sterben, wenn sie lieben.»
Die Wiederholungen erzeugen eine stille, traurige Spannung. Der Sklave spricht kaum von seinen Gefühlen, aber sein Erbleichen verrät, dass seine Liebe ihn innerlich verzehrt. Die letzte Zeile wirkt wie ein Schicksalsspruch: Für ihn ist Liebe kein Glück, sondern tödliche Bestimmung. Das Gedicht bleibt bewusst schlicht und lässt vieles unausgesprochen, gerade dadurch entsteht seine melancholische, geheimnisvolle Wirkung.