Mein Herz, mein Herz ist traurig — Zusammenfassung

Mein Herz, mein Herz ist traurig, Doch lustig leuchtet der Mai; Ich stehe, gelehnt an der Linde, Hoch auf der alten Bastei.

Da drunten fließt der blaue Stadtgraben in stiller Ruh’; Ein Knabe fährt im Kahne, Und angelt und pfeift dazu.

Jenseits erheben sich freundlich, In winziger, bunter Gestalt, Lusthäuser, und Gärten, und Menschen, Und Ochsen, und Wiesen, und Wald.

Die Mädchen bleichen Wäsche, Und springen im Gras’ herum; Das Mühlrad stäubt Diamanten, Ich höre sein fernes Gesumm’.

Am alten grauen Thurme Ein Schilderhäuschen steht; Ein rothgeröckter Bursche Dort auf und nieder geht.

Er spielt mit seiner Flinte, Die funkelt im Sonnenroth, Er präsentirt und schultert – Ich wollt’, er schösse mich todt.

Show the whole poemHide the poem

App Learn Poems

Probiere die App Learn Poems aus

Alles aus dem Website-Trainer und mehr: neue Übungen, Sprachaufnahme und Teilen, Erinnerungen, schnelles Auffrischen.

Im Mai steht der Sprecher an einer alten Bastei, an eine Linde gelehnt, und fühlt sein Herz traurig, obwohl alles um ihn hell und lebendig ist. Er beschreibt, was er sieht: den stillen blauen Stadtgraben, einen Jungen, der im Kahn angelt und pfeift, drüben bunte Lusthäuser, Gärten, Menschen, Ochsen, Wiesen und Wald. Mädchen bleichen Wäsche und springen im Gras, das Mühlrad stäubt Diamanten, sein Summen klingt fern herüber. Die Welt wirkt friedlich und fast heiter.

Dann fällt sein Blick auf den alten Turm mit dem Schilderhaus. Ein rotberockter Soldat geht auf und ab, spielt mit seiner funkelnden Flinte, präsentiert und schultert. Plötzlich wünscht der Sprecher, er schösse ihn tot. Dieser Satz bricht scharf in die freundliche Frühlingsszene ein. Die äußere Heiterkeit kann die innere Schwermut nicht erreichen; am Ende steht ein stiller, aber ernster Todeswunsch. Das Gedicht erzeugt eine bittersüße, beunruhigende Stimmung.

Read also

More by Heinrich Heine

All poems
RomanticHeinrich Heine

Der Asra

Täglich ging die wunderschöne Sultanstochter auf und nieder Um die Abendzeit am Springbrunn, Wo die weißen Wasser plätschern.
AnxiousHeinrich Heine

Ein Weib

Sie hatten sich beide so herzlich lieb, Spitzbübin war sie, er war ein Dieb. Wenn er Schelmenstreiche machte, Sie warf sich auf’s Bett und lachte.
SadHeinrich Heine

Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht, Ich kann nicht mehr die Augen schließen, Und meine heißen Thränen fließen.