Terzinen über Vergänglichkeit — Zusammenfassung

Noch spür ich ihren Atem auf den Wangen: Wie kann das sein, daß diese nahen Tage Fort sind, für immer fort, und ganz vergangen?

Dies ist ein Ding, das keiner voll aussinnt, Und viel zu grauenvoll, als daß man klage: Daß alles gleitet und vorüberrinnt.

Und daß mein eignes Ich, durch nichts gehemmt, Herüberglitt aus einem kleinen Kind Mir wie ein Hund unheimlich stumm und fremd.

Dann: daß ich auch vor hundert Jahren war Und meine Ahnen, die im Totenhemd, Mit mir verwandt sind wie mein eignes Haar,

So eins mit mir als wie mein eignes Haar.

Die Stunden! wo wir auf das helle Blauen Des Meeres starren und den Tod verstehn, So leicht und feierlich und ohne Grauen,

Wie kleine Mädchen, die sehr blaß aussehn, Mit großen Augen, und die immer frieren, An einem Abend stumm vor sich hinsehn

Und wissen, daß das Leben jetzt aus ihren Schlaftrunknen Gliedern still hinüberfließt In Bäum' und Gras, und sich matt lächelnd zieren

Wie eine Heilige, die ihr Blut vergießt.

Wir sind aus solchem Zeug, wie das zu Träumen, Und Träume schlagen so die Augen auf Wie kleine Kinder unter Kirschenbäumen,

Aus deren Krone den blaßgoldnen Lauf Der Vollmond anhebt durch die große Nacht. ... Nicht anders tauchen unsre Träume auf,

Sind da und leben wie ein Kind, das lacht, Nicht minder groß im Auf- und Niederschweben Als Vollmond, aus Baumkronen aufgewacht.

Das Innerste ist offen ihrem Weben; Wie Geisterhände in versperrtem Raum Sind sie in uns und haben immer Leben.

Und drei sind Eins: ein Mensch, ein Ding, ein Traum.

Zuweilen kommen niegeliebte Frauen Im Traum als kleine Mädchen uns entgegen Und sind unsäglich rührend anzuschauen,

Als wären sie mit uns auf fernen Wegen Einmal an einem Abend lang gegangen, Indes die Wipfel atmend sich bewegen

Und Duft herunterfällt und Nacht und Bangen, Und längs des Weges, unsres Wegs, des dunkeln, Im Abendschein die stummen Weiher prangen

Und, Spiegel unsrer Sehnsucht, traumhaft funkeln, Und allen leisen Worten, allem Schweben Der Abendluft und erstem Sternefunkeln

Die Seelen schwesterlich und tief erbeben Und traurig sind und voll Triumphgepränge Vor tiefer Ahnung, die das große Leben

Begreift und seine Herrlichkeit und Strenge.

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Ein Ich spürt noch den Atem vergangener Tage auf den Wangen und kann nicht fassen, dass sie für immer fort sind. Diese Ratlosigkeit wird zum Schauder vor dem Gleiten aller Dinge – auch vor dem eigenen Ich, das ihm aus der Kindheit fremd und stumm entgegentritt. Zugleich fühlt es sich mit Ahnen und Vergangenheit eins wie mit dem eigenen Haar. Der Ton ist still staunend, nicht verzweifelt: Beim Anblick des Meeres erscheint der Tod leicht, Mädchen lassen ihr Leben in Bäume und Gras fließen, Träume steigen auf wie Kinder unter Kirschbäumen. Am Ende sind Mensch, Ding und Traum eins.

Die Stimmung ist melancholisch und geheimnisvoll, aber tröstlich. Selbst ungeliebte Frauen kehren im Traum als rührende kleine Mädchen wieder, und aus Abenddämmerung, Sehnsucht und Sternenfunkeln erwächst eine Ahnung von der Herrlichkeit und Strenge des Lebens.

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