Ein Fischer sitzt ruhig am fließenden Wasser und blickt auf seine Angel. Plötzlich teilt sich die Flut, und eine feuchte Frauengestalt steigt empor. Sie fragt ihn, warum er ihre Fischbrut mit List aus der kühlen Tiefe in den Tod lockt. Ihre Worte sind zugleich Vorwurf und Verführung: Unten, im nassen Element, sei alles wohliger, gesünder und schöner. Sonne, Mond und Himmel spiegelten sich dort verklärt, und sein eigenes Gesicht erscheine im ewigen Tau. Der Fischer wird unruhig, das Wasser netzt seinen Fuß, und sein Herz schwillt sehnsüchtig wie bei einem Liebesgruß. Am Ende zieht ihn die Nixe halb, halb sinkt er selbst hinab und wird nicht mehr gesehen. Die Stimmung ist geheimnisvoll, melancholisch und wie ein gefährlicher Traum, aus dem es kein Zurück gibt.
Der Fischer — Zusammenfassung
Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis an’s Herz hinan: Und wie er sitzt und wie er lauscht, Theilt sich die Fluth empor, Aus dem bewegten Wasser rauscht Ein feuchtes Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm: Was lockst du meine Brut Mit Menschenwitz und Menschenlist Hinauf in Todesgluth? Ach wüßtest du, wie’s Fischlein ist So wohlig auf dem Grund, Du stiegst herunter, wie du bist, Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht, Der Mond sich nicht im Meer? Kehrt wellenathmend ihr Gesicht Nicht doppelt schöner her? Lockt dich der tiefe Himmel nicht, Das feucht verklärte Blau? Lockt dich dein eigen Angesicht Nicht her in ew’gen Tau?
Das Wasser rauscht’, das Wasser schwoll, Netzt’ ihm den nackten Fuß, Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll, Wie bey der Liebsten Gruß. Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm; Da war’s um ihn geschehn: Halb zog sie ihn, halb sank er hin, Und ward nicht mehr gesehn.