In Goethes ‹Mailied› bricht die Freude mit aller Kraft hervor. Der Sprecher sieht die Natur in strahlendem Licht: Sonne, blühende Zweige, tausend Stimmen, und überall fühlt er Glück und Wonne. Er ruft Erde, Sonne, Glück und Lust direkt an, als könnte er sein Gefühl nicht für sich behalten. Diese äußere Frühlingspracht ist für ihn untrennbar mit der Liebe zu einem Mädchen verbunden. Er preist die Liebe als golden und segensreich, vergleicht sie mit Morgenwolken und dem Blütendampf, der die Welt erfüllt. Die Liebe erscheint so selbstverständlich wie die der Lerche zum Gesang oder der Morgenblumen zum Himmelsduft. Das Mädchen gibt ihm Jugend, Mut und neue Lieder. Die Sprache ist einfach und liedhaft, voller Ausrufe. Alles scheint zu leuchten und zu lachen. Dadurch entsteht eine Stimmung von überschwänglichem Glück. Der Schlussvers wünscht dem Mädchen ewiges Glück. Das Gedicht wirkt wie ein spontaner Gefühlsausbruch, der Natur und Liebe in eins setzt und den Leser unmittelbar ansteckt.
Mailied — Zusammenfassung
Wie herrlich leuchtet Mir die Natur! Wie glänzt die Sonne! Wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten Aus iedem Zweig, Und tausend Stimmen Aus dem Gesträuch,
Und Freud und Wonne Aus ieder Brust. O Erd o Sonne O Glück o Lust!
O Lieb’ o Liebe, So golden schön, Wie Morgenwolken Auf ienen Höhn;
Du segnest herrlich Das frische Feld, Im Blütendampfe Die volle Welt.
O Mädchen Mädchen, Wie lieb’ ich dich! Wie blinkt dein Auge! Wie liebst du mich!
So liebt die Lerche Gesang und Luft, Und Morgenblumen Den Himmels Duft,
Wie ich dich liebe Mit warmen Blut, Die du mir Jugend Und Freud und Muth
Zu neuen Liedern, Und Tänzen giebst! Sey ewig glücklich Wie du mich liebst!