Ein Ich steht nachts allein am Fenster, während die Sterne golden scheinen. Aus stiller Ferne klingt ein Posthorn herüber, und in diesem Moment entbrennt in ihm der Wunsch, selbst aufzubrechen und in der prächtigen Sommernacht mitzureisen. Das Horn genügt, um eine tiefe Sehnsucht nach Weite und Bewegung zu wecken. Als zwei junge Gesellen vorübergehen, hört das Ich ihren Gesang, und dieser Gesang wird zum Bild einer verlockenden Ferne: Sie singen von rauschenden Wäldern, Felsenschluchten, Quellen, die in die Waldesnacht stürzen, von Marmorbildern, verwilderten Gärten, mondbeschienenen Palästen und lauschenden Mädchen. Die stille Sommernacht bekommt dadurch eine unruhige, träumerische Spannung. Die Ferne wird erträumt, nicht erreicht; der Sprecher bleibt am Fenster zurück. Genau darin liegt die Sehnsucht, die am Ende offen bleibt.
Sehnsucht — Zusammenfassung
Es schienen so golden die Sterne, Am Fenster ich einsam stand Und hörte aus weiter Ferne Ein Posthorn im stillen Land. Das Herz mir im Leib entbrennte, Da hab’ ich mir heimlich gedacht: Ach, wer da mitreisen könnte In der prächtigen Sommernacht!
Zwei junge Gesellen gingen Vorüber am Bergeshang, Ich hörte im Wandern sie singen Die stille Gegend entlang: Von schwindelnden Felsenschlüften, Wo die Wälder rauschen so sacht, Von Quellen, die von den Klüften Sich stürzen in die Waldesnacht.
Sie sangen von Marmorbildern, Von Gärten, die über’m Gestein In dämmernden Lauben verwildern, Palästen im Mondenschein, Wo die Mädchen am Fenster lauschen, Wann der Lauten Klang erwacht, Und die Brunnen verschlafen rauschen In der prächtigen Sommernacht. –