Eichendorffs kurzes Gedicht beschreibt die Vorstellung, dass in allen Dingen ein Lied schläft, das nur darauf wartet, geweckt zu werden. Die Welt erscheint nicht stumm oder leblos, sondern wie in einem andauernden Traum versunken. Wer das richtige Wort – das Zauberwort – findet, bringt diese schlafende Musik zum Klingen: „Und die Welt hebt an zu singen.“ Dahinter steht eine sehnsuchtsvolle, fast kindliche Hoffnung, dass hinter der sichtbaren Wirklichkeit etwas Harmonievolles verborgen liegt und Sprache es erschließen kann. Die Stimmung ist geheimnisvoll und still, zugleich aber zuversichtlich und hell. Der Sprecher wirkt nicht verzweifelt, sondern ruhig vertrauend, als wäre das Geheimnis der Welt nur einen treffenden Laut entfernt. So verbindet das Gedicht Poesie mit Magie: Dichten bedeutet, die verborgene Melodie der Dinge hörbar zu machen.
Wünschelrute — Zusammenfassung
Schläft ein Lied in allen Dingen, Die da träumen fort und fort, Und die Welt hebt an zu singen, Triffst du nur das Zauberwort.