Der Mensch — Zusammenfassung

Matthias ClaudiusContemplative

Empfangen und genähret Vom Weibe wunderbar, Kömmt er und sieht und höret, Und nimmt des Trugs nicht wahr; Gelüstet und begehret, Und bringt sein Thränlein dar; Verachtet und verehret, Hat Freude und Gefahr; Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret, Hält Nichts und Alles wahr; Erbauet und zerstöret, Und quält sich immerdar; Schläft, wachet, wächst und zehret, Und alles dieses währet, Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr. Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder, Und er kömmt nimmer wieder.

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Matthias Claudius reiht in raschen, gleichförmigen Versen die Stationen eines Menschenlebens aneinander: geboren und genährt, sehend und hörend, begehrend und weinend, glaubend und zweifelnd, bauend und zerstörend. Alles scheint gleichzeitig nebeneinander zu stehen, als wäre das ganze Leben ein einziges widersprüchliches Durcheinander aus Täuschung, Freude, Gefahr und Selbstquälerei. Der Sprecher blickt darauf mit stiller Nüchternheit, fast wie von außen. Er klagt nicht an, er wundert sich nicht, er stellt nur fest. Gerade dadurch entsteht eine leise Melancholie. Das alles währt, wenn es hoch kommt, achtzig Jahre – dann legt sich der Mensch zu seinen Vätern nieder und kommt nie wieder. Am Ende bleibt der Eindruck einer großen, rätselhaften Fülle, die doch unaufhaltsam und endgültig vergeht.

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